DIE ZEIT

Bonn wollte es nicht glauben

Nur wenige Geheimnisse wurden in Bonn bisher so gut gehütet wie dieses. Deshalb gab es wohl auch noch nie eine solche Überraschung, ja Verblüffung in Bonn wie in diesem Falle.

Paul Schulze feiert krank

Trägt die gesetzliche Krankenversicherung noch den Erfordernissen der Zeit Rechnung? Die Antwort aller Beteiligten lautet: Nein.

Genf rückt immer näher

Es war am Wochenende, als die Außenminister der NATO-Länder in Washington auseinandergingen. Sie hatten, so hieß es in den Verlautbarungen, bei ihren Gesprächen volle Übereinstimmung in allen prinzipiellen Fragen erzielt.

Die FDP zwischen Maier und Mende

Undurchsichtig sind noch die internen Auseinandersetzungen in der FDP. Von den elf Landesverbänden haben sich die Delegierten von neun für die Wahl Dr.

Konrad Adenauer

Eigentlich hatten die meisten von uns geglaubt, sie kennten den großen alten Mann, seine Reaktionen, sein Gespür für Macht, seine Beharrlichkeit und seinen Instinkt festzuhalten – Eigenschaften, die man oft als Starrheit empfand.

ZEITSPIEGEL

„Wir haben keine ausschließlich konventionellen oder nichtatomar ausgerüsteten Streitkräfte. In der Allianz sind unsere Streitkräfte auf die volle Anwendung der Atomwaffen eingestellt.

Der Gottkönig ohne Thron

Die Mönche des Klosters zu Tawang steckten in aller Eile neue Kerzen auf und füllten die Butterlämpchen nach. Das ganze Dorf rüstete sich mit ihnen auf den Empfang des höchsten Besuchers, den das abgelegene Tal in Indiens nordwestlicher Grenzprovinz je gesehen hat und wohl je sehen wird: auf den Milden Ruhmreichen, den Sprach gewaltigen, den Ausgezeichneten Verstand, die Absolute Weisheit, den Bewahrer der Lehre.

Der Fall des Grafen Helldorff

Immer wieder stehen in Deutschland die Gerichte vor der Aufgabe, sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandersetzen zu müssen.

35 Milliarden Wirtschaftshilfe

W irtschaftshilfe über 8,5 Millliarden Dollar (rund 35 Milliarden DM) haben die Entwicklungsländer der Welt in den vier Jahren von 1954 bis 1957 erhalten, geht aus dem neuen Statistischen Jahrbuch der Vereinten Nationen hervor.

Atom-Raketen für Rom

Das zu Ostern in Rom abgeschlossene italienisch-amerikanische Abkommen über den Bau von Abschußrampen für Jupiter-Raketen auf italienischem Boden hat Italiens politisches Gewicht innerhalb der NATO erheblich verstärkt.

Wer herrscht in Bagdad?

In einem Lande, in dem die Regierung jegliche parteipolitische Betätigung streng verboten hat, ist es schwer, die Effektivstärke einer bestimmten Partei zu veranschlagen.

Wenn die Nachrichten gelenkt werden

Die Räder des internationalen Presse-Betriebes greifen in den großen Nachrichtenagenturen eng ineinander. Associated Press, United Press International, Reuter – sie liefern auch der deutschen Presse zum großen Teil das Rohmaterial der Nachrichten.

Kehrtwendung in Pankow

Wieder einmal hat sich die SED-Wetterfahne im Ostwind gedreht: Der Deutschland-Plan der SPD, ursprünglich von Pankow mit Schmähungen bedacht und mit plötzlichem Abbremsen der auf hohen Touren laufenden Konföderationspropaganda quittiert, ist von einem Tag auf den andern zu einem bedeutsamen Dokument aufgewertet worden.

Mongolen zwischen Mao und Moskau

Die Äußere Mongolei ist seit Jahrzehnten ein Zankapfel zwischen China und Rußland, und die Rivalität der Chinesen und Russen ist in diesem Gebiet auch nicht erloschen, seitdem in beiden Ländern der Kommunismus gesiegt hat.

Alter Sumpf – keine neue Welle

Der deutsche Antisemitismus läßt sich schwerlich statistisch messen. Er läßt sich allenfalls deuten. Aber man darf sich dies nicht allzu leicht machen.

„Trotz-Reaktionen“

Einen Antisemitismus nennenswerten Ausmaßes gibt es in der Bundesrepublik nicht. Das öffentliche Bewußtsein wird vielmehr von der aus leidvoller Erfahrung gewonnenen Erkenntnis beherrscht, daß das durch viele Jahre hindurch politisch irregeleitete deutsche Volk viel wieder gutzumachen hat an den Völkern, mit denen es im Laufe seiner jüngsten Geschichte in Konflikt geraten ist.

Anti-Semitismus – ohne uns

Die von Manfred George in der deutschamerikanischen Zeitung „Aufbau“ gestellte Frage ist ein Glied einer langen, langen Kette von Fragen immer wieder des gleichen Inhalts: Wie haltet ihr’s mit den Juden?.

Aufbau

Wir verfolgen hier mit einer gewissen Unruhe und auch mit Befremden die sich häufenden antisemitischen Vorgänge in Deutschland.

Die Studenten sind nüchtern

Soweit in Westdeutschland von Spuren eines Antisemitismus gesprochen werden mag, kann sich dieses nach meiner Meinung nur auf Angehörige der älteren und mittleren Generation beziehen, auf ein résidu von „Unbelehrbaren“ aus der Zeit von vor 1945.

Nur noch konfuse Fanatiker

Die Prozesse gegen antisemitische Hetzer und Beleidiger, die in jüngster Zeit in der Bundesrepublik geführt werden mußten, rechtfertigen Manfred George’s besorgte Frage, ob wir es bei diesen Erscheinungen mit einer Verstärkung antisemitischer Tendenzen zu tun haben.

Packer und Poet

Er raucht natürlich Pfeife, dieser kauzige Wandersmann, kein cherubinischer, eher ein panischer; mit Zigarette wäre er ganz undenkbar, er schmaucht ein bitteres, würziges und sehr hartes Kraut, das er zahnlos, brummig und schwärmerisch-süchtig in sich hineinsaugt: „ein unaufhörliches inneres Pfeifenrauchen, bei dem sich Gott, Welt und das Privatissimum des eigenen Herzens zu einem angenehmen Halbdunkel vermischen“.

Als Damen noch Damen waren

Dem traditionellen, tiefen Mißtrauen, das bei uns zu Lande die offizielle Kritik und das literarische Publikum vor einem Unterhaltungsroman befällt, wird häufig und nicht ganz logisch die Klage entgegengesetzt, daß eben solche Bücher von Qualität in deutscher Sprache nicht geschrieben würden.

Henri Michaux:: Im Lande der Magie

Die französische Lyrik zehrt immer noch vom Ruhm aus der Zeit Baudelaires, Verlaines und Rimbauds: von einem Feuerwerk der Genialität, das beispiellos war.

Wie kritisch ist unsere Kritik?

Zuweilen beschweren sich Intendanten, Regisseure, Schauspieler, Verleger, Autoren, Aussteller, Künstler, Dirigenten, Solisten über eine Kritik, die je nach Laune, Temperament und Gelegenheit „negativ“, „zerstörend“, „bösartig“, „voller Ressentiments“, „uninformiert“, „niederträchtig“, oder „anmaßend“ genannt wird.

Frühling 1949

Der Schwarzwald duftet und rauscht. Drunten im Badischen blühen die Mandelbäumchen und die Pfirsiche. Aber die Trümmer der eingeäscherten Häuser von Freudenstadt halten in der traumhaften Schönheit der Landschaft die Erinnerung an die nackte, bescheidenere Wirklichkeit der Trizonesier von heute wach.

ZEITMOSAIK

Peter Suhrkamp, Dr. h. c., Träger des Bundesverdienstkreuzes I. Klasse, starb vor wenigen Tagen, 68 Jahre alt. Suhrkamp, der während des, Dritten Reiches den S.

Nicht allzu ernst zu nehmen

Heimo Erbses Ballett „Ruth“ stand als Uraufführung im Mittelpunkt eines überaus glanzvollen Ballettabends, den Yvonne Georgi an der Wiener Staatsoper geschaffen hatte.

Auf den „Einfall“ kommt es an

„Die Sache ist die“, sagte traurig der Direktor, „daß der Bücherverkauf bei uns sehr zu wünschen übrigläßt. Und wenn wir den Finanzplan nicht übererfüllen, dann kann von Prämien, das werden Sie verstehen, keine Rede sein.

Lola Müthel – Abstieg einer Dame

Von ihrem Vater, dem zuerst in Berlin und dann in Wien hochberühmten Schauspieler, Regisseur und Generalintendanten des Burgtheaters Lothar Müthel, übernahm Lola den Künstlernamen.

Der Präsidentenstuhl

Die Rückenlehne, die Armstützen und die Beine des Stuhles waren aus massiver Eiche; die Füße waren Löwentatzen nachgebildet und jeder wog mindestens zwei Pfund.

Nordrhein-Westfalen: Salomon aus Kanada

Die kanadischen Abenteuer des deutschen Anstreichers Wilfried Stephan haben ihr Ende gefunden. Am 1. April 1959 wurde Stephan aus der Haft im Fort Henry in Soest entlassen und mit einem Kleinbus der kanadischen Armee wieder vor seiner Wohnung in Iserlohn, Hochstraße 50, abgesetzt.

Weinselige Sorgen

Trotz des Vormarsches von Bier, Fruchtsäften und Mineralwassern ist des Franzosen Lieblingsgetränk immer noch der Wein. Vor einem Jahr drohte Frankreich eine Katastrophe: die Weinknappheit.

Neuerscheinungen für die Wirtschaft

Dr. Richard Heineke: Probleme der Industriellen Gemüseverarbeitung – insbesondere des Tiefgefrierens in Schweden unter Berücksichtigung der sich für die Bundesrepublik Deutschland ergebenden Entwicklungsmöglichkeiten – Kieler Studien, Heft 49, Forschungsberichte des Inst.

Amerika zweifelt am Dollar

Vor noch nicht allzu langer Zeit war das Problem, ob eine chronische Dollarknappheit in der ganzen Welt unausweichlich sei, ein beliebtes volkswirtschaftliches Unterhaltungsthema.

Die Weltbank tritt an den deutschen Sparer

Mit der schrittweisen Angleichung des deutschen Zinsniveaus an das der anderen Staaten mit einem normal funktionierenden Kapitalmarkt wächst die Neigung ausländischer Interessenten, sich in D-Mark zu verschulden.

Alte Versäumnisse rächen sich jetzt

Theodor Blank, der Chef des Arbeitsministeriums, das seit seiner Amtsübernahme beziehungsvoll zum "Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung" umbenannt wurde, ist bei seinen Bemühungen, die vom Vorgänger Anton Storch eingeleitete Sozialreform zu einem guten Ende zu bringen, in Schwierigkeiten geraten.

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