Auf die in der letzten Ausgabe der ZEIT abgeschlossenen zeitgeschichtlichen Porträts von Alfred Kantorowicz erhielten wir sehr viele Briefe aus unserem Leserkreis. In einem jener Briefe (wir drucken zwei im folgenden ab) behauptet eine ehemalige Mitarbeiterin Ossietzkys, „die kommunistische Umfälschung der politischen und publizistischen Rolle Karl von Ossietzkys ist schon viel älter als das Regime in Pankow“. Und die Schreiberin fährt fort, „der Mißbrauch und die Fälschungen begannen unter Mitwirkung von Alfred Kantorowicz bereits vor rund 25 Jahren...“ Ist dieser Vorwurf berechtigt? Wir haben Kantorowicz selbst noch einmal das Wort gegeben, der überzeugend darlegt, daß es für Ossietzky, das Opfer des Nationalsozialismus, gar keine andere Möglichkeit gab, als alle Antifaschisten für Verbündete zu halten. Das Bild aber, das dabei vom Autor unserer Artikelreihe entsteht, von einem Leben nämlich, das da zwischen Verrat und Verdächtigung, den Mühlsteinen unseres ideologischen Jahrhunderts, zermahlen wird (erst in Hitlers Deutschland, dann in Mac Carthys Amerika und schließlich in Ulbrichts Staat), das geht uns alle an. Und darum haben wir uns entschlossen, die folgenden Ausführungen abzudrucken. Es wird viele geben, die vielleicht denken, „wie gut, daß ich nicht irrte, wie jener“. Aber: geht nicht womöglich nur der Gleichgültige, der, der nicht Stellung nimmt, sich nicht exponiert, ungeschoren durch solche Zeiten wie die unseren?