Von Johannes Jacobi

Von ihrem Vater, dem zuerst in Berlin und dann in Wien hochberühmten Schauspieler, Regisseur und Generalintendanten des Burgtheaters Lothar Müthel, übernahm Lola den Künstlernamen. Denn Lothar Müthel hieß eigentlich Lütcke. An der Schauspielschule des Berliner Staatstheaters wurde sie nicht vom Leiter dieser Schule, nämlich: Lothar Müthel, sondern von Maria Koppenhöfer, Günther Hadank und Herma Clement unterrichtet. Schon nach einem Jahr Unterricht stellte sie der oberste Chef, Gustaf Gründgens, selber auf die Bühne. Lola Müthel war damals sechzehn Jahre alt.

Augenblicklich spielt sie an den Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main zwei einander entgegengesetzte Rollen: die Maria Stuart von Schiller und die Josie Hogan in „Ein Mond für die Beladenen“ von Eugene O’Neill. Die Schiller-Rolle bedeutet für Lola Müthel den ersten Gipfel in einer Entwicklungsrichtung, die ihr an der Berliner Gründgens-Bühne vorgezeichnet worden ist.

Schon bei Anfängeraufgaben fiel diese Schauspielerin durch ihre körperliche Erscheinung auf: durch ein großflächiges Gesicht mit herb geschwungenen Linien und durch den ästhetischen Adel wohlerzogener Gestik. Immer war Lola Müthel auf den Berliner Bühnen eine junge Dame, deren Schönheit angenehme, seltene Kahle ausstrahlte. 1942 hatte sie es bereits zur Helena im „Faust II“ gebracht.

Am Berliner Staatstheater konnte „das Küken“ unter lauter Großen vor allem etwas lernen, das sich als sicherstes Kapital erweisen sollte: Sprechen als Kunst und Sinn für Form, für die darstellbare Kunstform dramatischer Dichtung.

Nach Kriegsende fanden sich dafür nur wenig Bewährungsmöglichkeiten. Lola Müthel war durch Heirat Schweizerin geworden und lebte, nachdem die deutschen Theater geschlossen worden waren (1944), sieben Jahre als Ehefrau und Mutter in Zürich, ohne dort zu spielen.

Für Goethes „Iphigenie“ wurde sie dann als Gast nach Konstanz gelockt, wo auch Heinz Hilpert als Theaterleiter wieder anfing. In derselben Rolle erschien sie auf dem Deutschen Theater in Ostberlin. Hier stand Lola Müthel dann in Wedekinds „Marquis von Keith“ wieder neben Gründgens auf der Szene. In Stuttgart endlich ging die Wahlschweizerin 1951 wieder fest in ein deutsches Engagement. Dort lernte sie auch den Schauspieler Hans Caninenberg kennen, der ihr zweiter Ehemann wurde.