Die Neuordnung der sozialen Krankenversicherung – Vorsorge für Not und Wohlstand / Eine Reportage von Heinz Stuckmann und Albert Schiefer

Wird die gesetzliche Krankenversicherung heute noch den Erfordernissen unserer Zeit gerecht? Diese Frage beschäftigt die Verantwortlichen und Betroffenen seit geraumer Zeit. Politiker aller Richtungen haben diese Fragen mit einem klaren Nein beantwortet. Sie wollen ein neues Gesetz schaffen. Wie dieses Gesetz aussehen soll, darüber gehen die Ansichten allerdings weit auseinander. – Unsere Mitarbeiter Heinz Stuckmann und Albert Schiefer haben versucht, die derzeitige Situation auf dem Gebiet der gesetzlichen Krankenversicherung zu schildern, von der die Neuordnung ausgehen muß. In vier Folgen wird DIE ZEIT ein umfassendes Bild der Verhältnisse aufzeichnen und die wichtigsten Neuordnungsvorschläge zur Diskussion stellen.

An dem dreistöckigen Wohnhaus hängt neben der Haustür ein weißes Emailleschild. Darauf steht in schwarzer Schrift:

Dr. med. Schmid – prakt. Arzt – Sprechstunden von 10 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr außer Mittwoch- und Samstagnachmittag – Alle Kassen.

Jeden Tag um acht Uhr hängt ein Fräulein im weißen Kittel ein Lederkissen zwischen Haustür und Rahmen. Jeden Tag stehen dann schon zwei, drei oder vier Leute vor der Tür. Die gehen in die unverschlossene Parterrewohnung unten rechts und setzen sich in das Zimmer, auf dessen Tür „Wartezimmer“ steht.

Das Beste vom Besten

In dem Zimmer stehen 14 Stühle und ein Sessel – eine Art Stuhlmuseum. Alle Stile und Jahrgänge sind vertreten. An der 95-Pfennig-Tapete hängt ein Ölgemälde: Der Eibsee mit der Zugspitze. Gegenüber ist mit Heftzwecken ein Plakat angebracht: Bitte Krankenscheine bereits halten!