–nn, Iserlohn

Die kanadischen Abenteuer des deutschen Anstreichers Wilfried Stephan haben ihr Ende gefunden. Am 1. April 1959 wurde Stephan aus der Haft im Fort Henry in Soest entlassen und mit einem Kleinbus der kanadischen Armee wieder vor seiner Wohnung in Iserlohn, Hochstraße 50, abgesetzt. An derselben Stelle war er am 9. März von der kanadischen Provost in Zivil zusammengeschlagen und als Deserteur abtransportiert worden (siehe DIE ZEIT vom 26. März). Der Fall hatte in Iserlohn allerhand Aufsehen erregt.

Da freilich den Kanadiern wegen einigen früheren Zwischenfällen viel an erträglichen Beziehungen zur deutschen Bevölkerung liegt und sie im Falle Stephan von einer „unerträglichen Zumutung für das deutsche Nationalbewußtsein“ in der Zeitung lesen mußten, überlegten sie sich’s noch einmal. Sie schlugen dem Armeehauptquartier in Ottawa vor, Stephan aus der Armee zu entlassen. Die „Oberste Heeresleitung“ war einverstanden.

Und so ging jetzt der letzte Akt der Tragikomödie Stephan mit einer wahrhaft salomonischen Schlußszene über die Bühne. Da Stephan sich schuldig bekannte, wurde er zu neunzig Tagen Arrest verurteilt. Der Kommandeur der 4. kanadischen Brigade jedoch erließ die Strafe und befahl, daß Stephan in Deutschland mit Wirkung vom 1. April aus der kanadischen Armee entlassen wurde.

Stephans Rechtsanwalt sagt allerdings, man hätte ihn gar nicht mehr zu entlassen brauchen. Seine Dienstzeit sei schon 1957 abgelaufen.