Bank-Bilanz der Berlin-Krise

Die jetzt für 1958 vorliegende Bilanz der Berliner Tochterbank der Dresdner Bank AG, der Bank für Handel und Industrie AG, bestätigt in großen Zügen nicht nur die von der hohen Geldflüssigkeit geprägte Entwicklung aller westdeutschen Banken, sondern auch die Besonderheiten der Lage Westberlins, wie sie kürzlich bereits im Jahresabschluß der Berliner Bank AG zum Ausdruck gekommen waren (vgl. „DIE ZEIT“ Nr. 12 vom 20. März). Von den rund 31 Mill. DM oder 7,7 v. H., um die sich die Bilanzsumme von 401,3 auf 432,1 Mill. DM erhöht hat, entfielen allein rund 23 Mill. auf die Steigerung der Einlagen von 369,4 auf 392,2 Mill. DM. Davon waren am Jahresende, beeinflußt durch die politische Berlin-Krise, die Termineinlagen mit 121,4 Mill. DM geringer als ein Jahr zuvor mit 126,3 Mill. DM, die Sichteinlagen mit 177,2 (163,7) Mill. DM jedoch höher und ebenso die Spareinlagen mit 93.6 (79,5) Mill. DM, deren Zuwachsrate von 17.7 (29) v. H. wieder beträchtlich über dem Durchschnitt lag. Das Bilanzbild wurde ferner beeinflußt durch die Verstärkung der haftenden Mittel, von denen 5 Mill. DM zur Erhöhung des AK auf 15 Mill. DM und 1,5 Mill. DM zur Aufstockung der Rücklagen auf 6,0 Mill. DM verwendet wurden. Den Rückstellungen flossen weitere 2,3 Mill. DM zu, die damit 4,9 Mill DM erreichten. Auf Aktivseite stiegen die Nostroguthaben um 19,5 Mill. DM auf 98,7 Mill. DM an, der Wechselbestand um 7,7 auf 84,2 Mill DM und die eigenen Wertpapiere und Ausgleichsforderungen um je rund 5 Mill. DM auf 18,4 bzw. 9,0 Mill. DM. Dagegen gingen die Debitoren und langfristigen Anleihen um 5 Mill. auf rund 153 Mill. DM zurück.

In der Ertragsrechnung, die mit 18,2 (17,0) Mill. DM abschließt, ließen im letzten Jahresdrittel wirksame Tariferhöhungen die Personalunkosten von 11,7 auf 12,1 Mill. DM ansteigen, obwohl der Personalbestand von rd. 1200 auf 1130 durch Nichtbesetzung freiwerdender Stellen reduziert wurde. Dagegen gingen die sonstigen Aufwendungen leicht um reichlich 0,1 auf 2,3 Mill. DM zurück. Die Erhöhung der Steuern um 0,6 auf 2,7 Mill DM erklärt sich zum Teil aus der Kapitalerhöhung, die im Herbst vorgenommen wurde Der Reingewinn von 1,125 nach 0,8 Mill. DM ist zugeschnitten auf die um 2 auf 10 v. H. erhöhte Dividende. Bei den Erträgen stiegen Zinsen und Diskont um 0,3 auf 8,5 Mill. DM, Provisionen, und Gebühren um 0,9 auf 9,7 Mill. DM.

Wichtiger als diese Bilanzzahlen erscheint angesichts der Berlin-Krise die seitherige Entwicklung. Auch dieses Institut hat zunächst einen geringfügigen Einlagenschwund von wenigen Prozent erlebt, der jedoch inzwischen durch Neuzugänge ausgeglichen ist. Von panikartigen Kontenabzügen oder sonstigen Bewegungen in gefährlichem Umfang war niemals die Rede. Das gleiche gilt für den Abzug von Wertpapierkonten. Das vorübergehend stagnierende Kreditgeschäft ist inzwischen wieder in Gang gekommen und hat den Stand vom Jahresultimo geringfügig überschritten. Daß der Kreditzuwachs bisher nicht größer war, hat seinen Grund weniger in der Lage Berlins als in der auch im Bundesgebiet nach wie vor anhaltenden Geldfülle. Im Gesamtgeschäft der Bank hat gerade in den letzten Wochen das Börsengeschäft zum Teil einen Ausgleich für die Stagnation in anderen Bereichen gebracht. In diesem Zusammenhang ist die Tatsache bemerkenswert, daß der Absatz an Investmentzertifikaten in Berlin wie schon in den letzten Jahren weiterhin relativ höher als im Bundesgebiet ist. G.G.