J. K. Paris, im April

Trotz des Vormarsches von Bier, Fruchtsäften und Mineralwassern ist des Franzosen Lieblingsgetränk immer noch der Wein. Vor einem Jahr drohte Frankreich eine Katastrophe: die Weinknappheit. Die Behörden – die wußten, daß dem Franzosen ein volles Weinglas ebenso heilig ist wie ein niedriger Brotpreis – klopften nacheinander alle Wein-Erzeugerländer der Welt ab, um die drohende Produktionslücke zu stopfen. Selbst chilenischer Rotwein wurde dem weindurstigen Franzosen vorgesetzt.

Natürlich gingen die französischen Konsumweinpreise sprunghaft in die Höhe. Die Erzeuger waren sehr zufrieden. Ihre Erlöse verdoppelten sich in weniger als zwei Jahren. Weniger zufrieden waren die Konsumenten. Sie zahlten mehr als das Doppelte für einen schlechten Tischwein. Die Händler und der Staat profitierten von der Weinhausse ebenfalls. Die Erzeuger hatten noch im letzten Frühsommer prophezeit, daß selbst bei einer mittelmäßigen neuen Ernte – die tatsächlich so ausfiel! – die Preise sich doch auf dem erreichten hohen Niveau halten würden. Sie hatten die Rechnung ohne die Weintrinker gemacht.

Diese begannen nämlich zu streiken: sie tranken weniger Wein, weil andere Getränke billiger waren und auch, weil sie weniger verdienten. Der Weinkonsum ging zuerst um 3 v. H., dann um 5 v.H. und schließlich um mehr als 10 v.H. zurück. Man glaubte zuerst, daß dieser Rückgang nur vorübergehend sei. Aber er hält an, und zwar trotz einer erheblichen Preissenkung.

Diesmal sind die Erzeuger die Leidtragenden. Die Erzeugerpreise sind nämlich innerhalb weniger Monate wieder um etwa 30 bis 40 v. H. gefallen; die Einzelhandelspreise aber nur um etwa 20 bis 25 v. H.

Die Lehre aus dieser Weingeschichte: einmal überhöhte Preise können den Konsum dauernd beeinträchtigen, auch wenn die Preise wieder sinken werden.