R. A. P., Beirut, im April

Wie stark sind die Kommunisten im Irak wirklich? Stimmt es tatsächlich, daß Ministerpräsident Kassem, der stets von sich behauptet, er sei an keine Partei gebunden, ihnen schon auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist?

In einem Lande, in dem die Regierung jegliche parteipolitische Betätigung streng verboten hat, ist es schwer, die Effektivstärke einer bestimmten Partei zu veranschlagen. Da ist viel von „eingetragenen Mitgliedern der Kommunistischen Partei“ die Rede; aber wie viele Iraker KP-Mitgliedskarten in der Tasche tragen, vermag niemand genau anzugeben. Dennoch lassen sich ungefähre Schätzungen anstellen. Ihr Resultat: Die zahlenmäßige Stärke der Partei ist mit rund 5000 Mann nicht groß. Aber dies ist auch kein Maßstab für den gewichtigen politischen Einfluß der Kommunisten.

Doch trotz der Tatsache, daß die Kommunisten im Irak zahlenmäßig kaum ins Gewicht fallen, ist die Regierung in Bagdad immer mehr auf die kommunistische Linie eingeschwenkt. Bagdad hat mit allen kommunistischen Staaten diplomatische Beziehungen aufgenommen. Der Aufnahme der Beziehungen folgte auf dem Fuße der Abschluß einer Reihe von Handels- und Kulturabkommen. Sechs Schiffsladungen sowjetischer Waffen sind im Hafen von Basra gelöscht worden.

Zu all dem tritt noch die Nachrichtenlenkung im Irak hinzu, die darauf abzielt, der Bevölkerung das Bild östlichen Fortschritts in leuchtenden Farben auszumalen und fast alle Nachrichten aus dem Westen unter den Tisch fallen zu lassen. Bei einer Analyse der irakischen Presse im Monat März hat sich beipielsweise ergeben, daß von den 48 Artikeln über die Außenpolitik des Irak, die auf den Titelseiten der Zeitungen erschienen, 44 östlichen Ländern gewidmet waren und nur vier der freien Welt.

Ebenso auffällig tritt die Annäherung an die Kommunisten in der Innenpolitik zutage. Auf alle Fälle wollen die Kommunisten verhindern, daß diejenigen, die den Zusammenschluß des Irak mit der Vereinigten Arabischen Republik Nassers befürworten, an politischem Einfluß gewinnen. So ist es ihnen – begünstigt durch die Fehler ihrer Gegner – gelungen, nacheinander den Obersten Aref und Raschid el Gailani, dann die sechs Minister, die im Februar zurücktraten, und schließlich den Obersten Februar mitsamt seinen Anhängern in Mosul auszuschalten.

Wie ist es nun zu erklären, daß eine Handvoll Kommunisten den Ministerpräsidenten Kassem immer wieder für ihre Politik zu gewinnen vermochte?