Veränderungen in der Führung herbeizuführen“. Marschall Schukow soll ihnen sogar ihre Haltung während der großen Säuberung 1936–1938 vorgeworfen und gedroht haben, Dokumente aus diesen Jahren zu veröffentlichen.

Das Plenum endete mit einem eindeutigen Sieg Chruschtschows. Malenkow, Molotow und Kaganowitsch sowie der frühere Chruschtschow-Protegé Schepilow wurden unter schweren Anschuldigungen aus der Parteiführung ausgeschlossen, die schwankenden Wirtschaftsführer Perwuchin und Saburow degradiert, und in die freigewordenen Positionen rückten die Chruschtschow-Anhänger Aristow, Beljajew, Breschnjow, Jekaterina Furzewa, Ignatow und Koslow nach.

Marschall Schukow, der in diesem erbitterten Ringen Chruschtschow unterstützt hatte, gleichzeitig aber durch sein Hinweis auf Dokumente des Jahres 1937 Dinge angerührt hatte, die auch Chruschtschow nicht genehm waren, wurde schon wenige Monate später, Ende Oktober 1957, vom Posten des Verteidigungsministers abgesetzt. Chruschtschow hatte ihm ebensowenig Dank bewiesen wie Stalin seinen Rettern Sinowjew und Kamenew im Mai 1924.

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Bisher sind die Ähnlichkeiten des Machtaufstiegs zwischen Stalin und Chruschtschow verblüffend. So wie Stalin nach seinem Sieg über die letzten Opponenten in der Parteiführung den Stalin-Kult inszenieren ließ, so hat auch der Chruschtschow-Kult seit Juli 1957 immer deutlichere Formen angenommen.

Der Begriff „kollektive Führung“ verschwand aus den Spalten der Sowjetpresse. Die Trennung der höchsten Partei- und Staatsfunktionen, ein Grundprinzip in den ersten fünf Jahren nach Stalins Tod, wurde wieder aufgehoben. Im März 1958 übernahm Chruschtschow neben seiner Funktion als Erster Parteisekretär auch den Posten des Ministerpräsidenten. Der Chruschtschow-Kult trat immer deutlicher hervor. Auf dem 21. Parteitag versäumten die Redner nicht, die neuen Formulierungen zu gebrauchen: „Das Zentralkomitee mit Chruschtschow an der Spitze“, oder „Das Zentralkomitee unter Führung Chruschtschows“. Immer mehr wurden auch die „persönlichen Verdienste“ Chruschtschows unterstrichen. Seine Reden werden als „gewaltiger Beitrag zum Marxismus-Leninismus“ und als „historisch“ gefeiert. Während des 21. Parteitages nannte die „Iswestja“ seinen Namen schon 26mal auf einer Seite.

Wird es so weitergehen? Wird sich Chruschtschow ungehindert zu jener Machtstellung emporheben, die Stalin einst innehatte? Wird nach den wenigen Jahren der kollektiven Führung die Sowjetunion erneut für ein Jahrzehnt oder länger unter der Alleinherrschaft Chruschtschows und einem byzantinisch-stalinistischen Führerkult stehen? Manches im bisherigen Machtaufstieg scheint dafür zu sprechen. Einige Sowjetexperten nehmen dies bereits heute mit Sicherheit, zumindest mit größter Wahrscheinlichkeit an.