Konstanz, im April

Die Insel Mainau, im Bodensee steht in voller Blüte. Anderswo findet zwar auch Frühling statt; aber wer die Insel kennt, wird den Überschwang verzeihlich finden: hier hat er südliche Leuchtkraft, hier entfaltet er seine bezauberndsten Gaben. Wer freilich die „Maien-Au“ in Ruhe durchstreifen will, sollte nicht gerade das Wochenende dazu benutzen; denn 44 Hektar bieten zwar Platz für eine Fülle botanischer Sehenswürdigkeiten, garantieren aber an Sonntagen keine Einsamkeit mehr.

Was das Bodenseegebiet so anziehend macht, ist die Heiterkeit der Landschaft, ihre zarten Pastelltöne, die Anmut des Hügelllandes, zu dessen Füßen sich silbrig glänzend der See ausbreitet. Man mag getrost eine weite Reise hinter sich haben: der See schenkt von der ersten Stunde an Ferienstimmung.

Die gemeinsamen Interessen an dem Gewässer entzweien die drei Anliegerstaaten nicht, sondern schließen sie in wachsamer Sorge um Sauberhaltung und Nutzung zusammen. An dem Beispiel der Fährverbindung über die breiteste Stelle des Bodensees, von Friedrichshafen nach Romanshorn, ist diese Zusammenarbeit neuerdings erkennbar geworden: nachdem dort bisher nur die Deutsche Bundesbahn den Autofährbetrieb mit einem Fährschiff unterhalten hatte, haben die Schweizerischen Bundesbahnen am 25. März ebenfalls ein Autofährschiff, die „Romanshorn“, eingesetzt, so daß man im Sommerhalbjahr alle Stunde Gelegenheit hat, mit seinem Auto von einem Ufer zum anderen überzusetzen. Die Einnahmen aus dieser gemeinsam befahrenen Linie werden zwischen beiden Bahnverwaltungen geteilt.

Die Insel Mainau im Überlinger See hat zwei Zugänge: den Hafen, in dem die Schiffe von Konstanz, Meersburg und Überlingen anlegen, und die Brücke zum Festland. Sie verhalten sich zueinander wie ein Schloßportal zum Lieferanteneingang. Auf der photogenen Seite, wo die Schiffe anlegen, wächst aus bewaldetem Steilhang das Deutschordensschloß hervor. / Graf Lennart Bernadotte‚ der jetzige Besitzer „mit der grünen Hand“, hat die Insel zu einem blühenden Eiland gemacht, auf dem sogar die Exoten Hibiscus und Heliotrop blühen. Das Deutschordensschloß ist seit zehn Jahren Sitz des Internationalen Instituts des Weltbundes Christlicher Vereine junger Männer, in dem ständig Begegnungen, Kurse und Tagungen stattfinden.

Der Rundgang oder besser der Streifzug, den man am besten nach eigenem Ermessen unter-\ nimmt, führte mich vom Hafen zum wuchtigen Torkelturm, in dem einst der Wein für die Ordensritter gekeltert wurde und von dem ein unterirdischer Gang hinauf in das Schloß führt. Das 25 OOO-Liter-Faß im kühlen Torkelkeller, das einst ein offensichtlich trinkfreudiger Komtur anfertigen ließ, dient heute als kleine Trinkstube. Auf dem Weg hinauf ins Schloß gewinnt man über Sumpfzypressen und kalifornische Mammutbäume die Aussicht hinunter zum See. An Bananenstauden vorbei gelangte ich in den Rosengarten, ein reizvolles Zusammenspiel barocker Gartenkunst. Am nördlichen Ufer der Insel, wo die Blumenrabatten ihrer großen Zeit entgegensehen, erhielt im vergangenen Jahr ein neuer Weg den Namen „Frühlingsstraße“.

W. S.

Bibeln in vier Sprachen, und zwar in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch, sollen, wie die Schweizerische Bibelgesellschaft in Luzern mitteilte, demnächst in allen Schweizer Hotels ausgelegt werden.