Wenn der Aktionär der Dresdner Bank AG die Bilanz für 1958 durchsieht und zugleich eine Bilanz darüber aufmacht, was ihm seine Aktien in den zurückliegenden 12 Monaten eingetragen haben, dann wird er feststellen, daß seine Papiere eine ganz ausgezeichnete Anlage gewesen sind. Geht man davon aus, daß jemand am 2. Mai 1958, also nach Abzug der Dividende für 1957 von 12 v. H., eine Aktie der Dresdner Bank zum damaligen Kurs von 252 v. H. erworben hat, dann ergibt sich für ihn eine Kurssteigerung bis zum 10. April 1959 auf 390 v. H. ( + 138), außerdem konnte er ein Bezugsrecht von 25 Punkten steuerfrei vereinnahmen und hinzu kommt jetzt eine Dividende von 14 v. H.

Diese Betrachtung muß man voranstellen, wenn die Dividendenentscheidung der Verwaltung gerecht beurteilt werden soll. Der Gewinn für 1958 ist, wie bei allen Banken, auf den Dividendenvorschlag abgestellt, der bei den drei Großbanken einheitlich auf 14 v. H. lautet (obwohl die Ertragslage bei allen Instituten unterschiedlich ist). Auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main versuchte deshalb auch das Vorstandsmitglied Erich Vierhub gar nicht erst, die Dividendenentscheidung von der Ertragssituation her zu begründen, sondern sprach ganz schlicht das aus, was andere Banken gern vermeiden zu sagen: Die Dividendenoptik war maßgebend. Die Dresdner Bank hat die Körperschaftsteuerersparnis für ausgeschüttete Gewinne in voller Höhe weitergegeben. Alles was mehr verdient wurde, ging in die offenen und stillen Reserven.

Banken legen aus „optischen“ Gründen großes Gewicht auf die Dividendenkontinuität. Ihre Bedeutung läßt sich für den „Kredit“ eines Bankunternehmens nicht abstreiten. Außerdem: die tantiemenabhängigen Bezüge der Belegschaft richten sich in ihrer Höhe nach der Dividende; es würde sicherlich soziale Unruhe innerhalb der Bank auslösen, wenn in diesen Bezügen eines Tages eine Kürzung eintreten sollte. Das Argument, daß hohe Dividenden Ansatzpunkte sozialer Kritik bilden, ist nur halb richtig, denn „die andere Seite“ kann auch rechnen und ergründen, wie die tatsächliche Ertragslage ausgesehen hat und wo die Gewinne geblieben sind. Für den Aktionär der Bank ist wichtig zu wissen, daß die Verwaltung es offensichtlich vorzieht, den Dividendensatz möglichst konstant zu halten, aber später eventuell größere Gewinne auf ein höheres Kapital zu verteilen.

Vorläufig liegt die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung jedoch nicht vor. Per 31.12.1958 wurden die Reserven wieder beträchtlich gestärkt, und zwar um 28 auf 170 Mill. DM. Zusammen mit dem Grundkapital von 180 Mill. DM beträgt die sichtbare Eigenkapitalbasis also 350 Mill. DM. Das sind 5,4 v. H. der auf 6,5 (5,9) Mrd. DM gestiegenen Bilanzsumme. Mit dieser Relation steht die Dresdner Bank an der Spitze der Großbanken. Sie will dieses Verhältnis auch bei einem weiteren Wachsen der Bilanzsumme aufrechterhalten, entweder durch die Bildung neuer Rücklagen oder auch durch eine Kapitalerhöhung.

Die Dividende und die Zuweisung zu den offenen Rücklagen ergeben jedoch noch längst nicht den Gesamtgewinn. Er ist – geht man von den mit 63,5 Mill. DM ziemlich unverändert gebliebenen Steuern aus – erheblich höher gewesen, auch wenn die Steuern sich nicht nur auf das Jahr 1958 beziehen, sondern in ihnen noch Nachzahlungen in Höhe von rund 1 Mill. DM enthalten sind. Wenn man etwas hin und her rechnet, dann ergibt sich, daß die stillen Reserven um etwa den gleichen Betrag dotiert sein müssen, wie es bei den offenen Rücklagen der Fall ist.

Dieses zweifellos gute Ergebnis findet bei der Dresdner Bank kaum seinen Ursprung im Kreditgeschäft. Das litt unter der verengten Zinsmarge. Die Kundschaftseinlagen sind um reichlich eine halbe Milliarde gestiegen, die Debitoren dagegen nur noch um knapp 100 Mill. DM und gleichzeitig war das Wechselgeschäft rückläufig. Die Dresdner Bank hat deshalb nach anderen rentablen Anlagemöglichkeiten für die ihr so reichlich zur Verfügung gestellten Gelder Ausschau gehalten. Und es ist typisch für die Bank, daß sie im Wertpapiergeschäft gesucht und gefunden wurden. Das Wertpapierportefeuille wurde um 276 auf 836 Mill. DM erhöht, das sind fast 13 v. H. der Bilanzsumme. Die Verwaltung weist jede Kritik gegen die Höhe dieses Postens zurück; sie sieht ihn in den Spareinlagen von 936 Mill. DM, in den Pensionsrückstellungen von 92 Mill. DM und in dem Eigenkapital ausreichend gesichert. Das Bemerkenswerteste an den Wertpapieren ist der hohe Anteil der steuerfreien und steuerbegünstigten Titel, die etwa 80 bis 90 v. H. der 535 Mill. DM betragenden festverzinslichen Werte ausmachen und aus denen der Bank eine steuerfreie Einnahme von rund 23 Mill. DM zugeflossen sein muß, womit der zur Dividendenzahlung erforderliche Betrag nahezu aufgebracht war!

Allein schon dieser Bestand garantiert – wenn er durchgehalten wird – den Aktionären auch für 1959 wieder eine gute Dividende. K. W.