Von Rudolf Alexander Schröder, Hermann Heuer, Wolfgang Clemen, Levin Schücking und Rudolf Stamm

Seit der romantischen Periode hat Deutschland immer wieder Grund gehabt, auf die Arbeit seiner Übersetzer, Gelehrten und Theaterkünstler im Dienste des Verständnisses und der Pflege der Shakespeareschen Dramen stolz zu sein. Die Reihe der ehrenwerten Übersetzer, die mit verschiedenem Erfolg und im Stile verschiedener Zeitalter um einen Shakespeare in deutscher Sprache gerungen haben, reicht von Eschenburg, Wieland, Schlegel und Tieck bis zu Richard Flatter und Walter Josten.

Es ist leider nicht möglich, auch den Namen Hans Rothes an sie anzuschließen, denn die fragwürdigen Ziele und Methoden dieses Pseudo-Übersetzers machen seine Versionen zu einer wirklichen Gefahr für die Shakespeare-Pflege in den Ländern deutscher Zunge.

Eine eindringliche Warnung vor ihnen scheint notwendig zu einem Zeitpunkt, da an allzuvielen Orten die Zuschauer, die Shakespeare sehen möchten, mit Rothe abgespeist werden.

Dafür mag es mehrere Beweggründe geben. Fürs erste dürften nur wenige der Regisseure, welche die Rothe-Versionen gewählt haben, sich wirklich die Mühe gemacht haben, einmal an Hand des Originals selber nachzuprüfen, wie es um diese Übersetzungen eigentlich bestellt ist. Würden sie das tun, so müßten sie sehr bald die Kluft, die Rothe von Shakespeare trennt, erkennen und den Verlust an Shakespearescher Substanz bemerken, der auf diesem Wege zwangsläufig – im Vergleich zu anderen Übertragungen – erfolgte.

Den hohen Ansprüchen, welche ein originalgetreuer Shakespeare-Text stellt, kann man ferner mit Hilfe der Rotheschen Versionen, an denen so vieles zunächst plausibel und einfach erscheint, ausweichen. Die von Rothe gekürzten und simplifizierten Texte mögen mit ihrer entspannten, um ihren Rhythmus gebrachten Sprache bequem zu sprechen sein und erfordern kaum noch etwas von jener Sprechkultur, die für Shakespeare unabdingbar ist.

Überdies kommt man mit den Rotheschen Versionen jener Schicht des Publikums entgegen, die das Krasse dem Subtilen, das Überdeutliche den bloß Angedeuteten und das Banal-Triviale den metaphorischen und komprimierten Sprachausdruck vorzieht.