Von Martin Beheim-Schwarzbach

Kein zweiter deutscher Dichter repräsentiert so schroff, so wüst, so reich und so erbarmungslos die chaotische Fülle des Herzens wie des Hirns, das sich bis zur äußersten Selbstzerfleischung. im Ringkampf um die Gnade beendet, im Hervorkeuchen des „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ – wie Elisabeth Langgässer, die in der Aufzehrung ihrer selbst viel zu früh starb, aber ein Werk hinterließ, das wie ein Sturmwind durch die deutsche Literatur ging, das sich dann zwar im trüben Nebel des Buchgeschäftes verloren und verflüchtigt hat, das aber wiederkommen und der Kritik noch viel zu beißen geben wird. Es ist ein Wagnis ihres Verlages, ein höchst dankenswertes und ruhmwürdiges Wagnis, die drei Hauptwerke wieder neu herauszubringen:

Elisabeth Langgässer: „Gang durch das Ried“, Roman; 332 S., 14,80 DM –

„Das unauslöschliche Siegel“, Roman; 660 S., 24,50 DM –

„Märkische Argonautenfahrt“, Roman; 416 S., – 16,50 DM; alle im Claassen Verlag, Hamburg.

Die Ankündigung des Verlages bezeichnet diese als Band I, II und III der „Gesammelten Werke in Einzelbänden“. Im Herbst folgen die gesammelten Gedichte und Erzählungen, und weitere Bände, also Essays und Briefe, befinden sich in Vorbereitung. Das alles ist gut, und sehr zu begrüßen, verspricht es doch, daß diese bedeutende Dichterin nicht das übliche Schicksal der Verramschung und des Begrabenseins teilt, sondern mit Namen und Leistung gerettet und aufbewahrt werden soll.

Ihr erster Roman „Gang durch das Ried“, erstmalig 1936 von Hegner herausgebracht, ist wohl ihr einfachstes und verständlichstes Werk, das manche Elemente des Chaos, die später über diesen Geist hinfluteten, noch nicht enthält. Thematisch stellt es die krankhafte Spaltung und qualenreiche Zusammenfügung eines Menschen dar.