H. W., Flensburg

Als der schleswig-holsteinische Kultusminister Osterloh letzte Woche im Kieler Landeshaus den (geteilten) Kunstpreis 1959 des Landes Schleswig-Holstein verlieh, waren unter denen, die dieser Verleihung Beifall zollten, nicht wenige, deren Zustimmung eindeutig mehr dem in Kampen auf Sylt lebenden Maler Professor Aereboe als dem Dirigenten des Nordmark-Sinfonie-Orchesters in Flensburg, Heinrich Steiner, galt.

Sie zollten zwar seinen künstlerischen Leistungen alle Anerkennung und sie bestritten auch nicht seine Fähigkeiten als Dirigent, aber sie hielten es für verfehlt, den halben schleswig-holsteinischen Kunstpreis von 5000 Mark ausgerechnet in dieser Stunde einem Manne zu geben, dessen musikalisches Können zwar kaum, dessen Titel dafür aber um so mehr umstritten ist.

Und während einige Kritiker besorgt die Frage stellten, ob hier nicht aus unbekannten Motiven eine persönliche Stützungsaktion erfolgt sei, veröffentlichte eine in Flensburg erscheinende Wochenzeitung die Nachricht von der Verleihung des halben Kunstpreises an Heinrich Steiner unter der ironischen Schlagzeile: „Kunstpreis des Landes, für Flensburgs Nicht-Generalmusikdirektor

Das Blatt hatte damit jenen Gerüchten Ausdruck gegeben, die seit kurzem nicht nur in Flensburg, sondern auch in Kiel und anderswo umlaufen. Diese Gerüchte wollen davon wissen, daß im Lebenslauf von Heinrich Steiner alles stimme, doch auf keinen Fall die Feststellung, er sei seit seiner Tätigkeit in Bad Pyrmont Generalmusikdirektor.

Nun hatte Steiner, der seit 1950 in Flensburg das Nordmark-Sinfonie-Orchester und die Städtischen Bühnen leitet, bei seiner Berufung in die Grenzstadt zwar angegeben, er sei in Bad Pyrmont Generalmusikdirektor geworden, aber eine Urkunde konnte er damals umzugshalber nicht vorlegen. Sie ist in der Tat auch bis heute noch nicht da. Dafür aber liegt eine Bestätigung aus Bad Pyrmont vor, daß er dort nicht Generalmusikdirektor geworden ist. Und daß er es in Flensburg nicht wurde, das erklärte noch vor einigen Wochen Flensburgs Oberbürgermeister Thomas Andresen.

Steiner, dessen Orchester noch vor einigen Monaten nach einer Abstimmung über seine menschlichen Qualitäten zu 90 Prozent eine Zusammenarbeit mit ihm ablehnte, blieb der Öffentlichkeit bisher eine Erklärung schuldig. Dafür allerdings erhielt er am 6. April den Kunstpreis des Landes, und der Kultusminister Schleswig-Holsteins sprach in seiner Verleihungsrede vom Generalmusikdirektor in Bad Pyrmont und vom Generalmusikdirektor in Flensburg.