Über die fortschreitende Denaturierung der Alpen wurde kürzlich im Schweizer Parlament bewegliche Klage geführt. Ein Abgeordneter trat mis der Forderung an die Regierung heran, die Kleinaviatik in den Alpen solle künftig auf Rettungsaufgaben und unerläßliche Transporte beschränkt werden, damit auch Alpinisten, die Wanderer und Kletterer wieder Freude am Gebirge haben können. Jetzt nämlich ist es bald soweit, daß die wahren Freunde der Bergnatur systematisch verjagt werden. Denn die stolzesten Gipfel, selbst die Gletscher sind von Hubschraubern umbraust, die fußfaule Großstädter und nur auf Abfahrtsraserei erpichte Skifexe auf die ragenden Höhen befördern und das „Gipfelgefühl“, den Siegespreis des Alpinisten, zur Farce machen. Auch die Besucher der Kurorte, die der Ruhe wegen in die Berge flüchten, beschweren sich über den ständigen Motorenlärm. Will man aber die Empfindungen der Bergkraxler und Kletterer verstehen, so denke man an die Geschichte vom Swinegel, der immer schon „all da“ war, wenn der Hase mit keuchendem Atem am Ziele des Wettlaufs anlangte. Wer die Berge liebt und sie sich sozusagen „verdienen“ will (und dieser Wunsch ist eben das Zeichen der Liebe), der will als Lohn der Mühe die Einsamkeit der großen Natur vorfinden, aber nicht eine Gipfelkonferenz von Geldprotzern oder Renommisten, die ihren Bekannten erzählen können wollen, daß sie auch da oben waren...

Um Renaturierung hingegen bemüht man sich zur Zeit im Allgäu. Jedenfalls sieht es so aus: man hat das Alphorn, das bereits ausgestorben war, wieder in Gebrauch gebracht, und nun tönt das romantische Geblase, das seinerzeit den heimwehkranken Schweizer „zu Straßburg auf der Schanz’“ zum Deserteur machte und das dem Hamburger Johannes Brahms den populärsten Einfall seiner ersten Symphonie eingab, von den Bergen bei Hindelang, Sonthofen, Thalkirchdorf und Weiler auf die beglückten Feriengäste herab.

Noch ist nicht heraus, ob nicht eines Tages ein übernervöser Fremdling auch darüber Beschwerde führen wird, wie es vor zwei Jahren in eben denselben Allgäuer Gegenden wegen der Kuhglocken geschah... w – h