DK., Düsseldorf

Vom Recht am eigenen Bild ist oft die Rede. Bekanntlich kann jeder Bundesbürger es sich verbitten, daß ohne seine Einwilligung sein Bild veröffentlicht wird – es sei denn, er ist eine Persönlichkeit der Zeitgeschichte.

Dem Streit zwischen einem Hauswirt und seinem Mieter haben wir es nun zu verdanken, daß das Landgericht Düsseldorf einen Beschluß über das Recht am Bilde auch der eigenen Wohnung gefaßt hat. Wir haben dieses Recht ebenso wie das am Bilde unserer Person selbst; denn „die Wohnung stellt ein ausgesprochenes Spiegelbild vom Charakter ihres Bewohners dar, sei es wegen der individuellen, Besonderheiten der Einrichtung, sei es, weil sich überhaupt am Zustand und Erscheinungsbild der Wohnung Lebensart, Charakterzüge und Gewohnheiten des Bewohners ablesen lassen.“ Das klingt durchaus plausibel. Es ist gleichgültig, ob man uns im Spiegel sieht oder direkt.

Der um sein Spiegelbild kämpfte, war ein Schneider, Mieter eines Zimmers bei einem Hauswirt, der ihn gern lossein wollte. Der Hauswirt hatte dem Schneider gekündigt. Der Schneider hatte es abgelehnt, auszuziehen. Seitdem stritten sich die beiden. Da drang eines schönen Tages ganz unvermutet der Hauswirt in das Zimmer seines Mieters ein und ließ von einem Photographen, den er mitgebracht hatte, eine Aufnahme des Zimmers machen. Um den Protest des Schneiders kümmerte er sich nicht.

Was wollte er mit dem Photo? Der Schneider argwöhnte, daß sein Hauswirt dem Wohnungsamt ein Bild davon geben wollte, wie es in seines Mieters Zimmer aussah. Es lassen sich alle möglichen Zustände von Zimmern denken, die ihr Bewohner nicht gern entdeckt wissen möchte. Wenn es den Hauswirten gestattet wäre, jederzeit zu irgendwelchen Zwecken die Zimmer ihrer Mieter aufzunehmen, was für ein allgemeines Aufräumen finge dann wohl an!

Jedoch ist sehr wohl möglich, daß es bei unserem Schneider außerordentlich ordentlich war und sein Hauswirt mit dem Photo nur beweisen wollte, daß sein Mieter das Zimmer „für gewerbliche Zwecke zweckentfremdete“, auf Deutsch: daß nicht nur, „wie er durch eidesstattliche Versicherung glaubhaft gemacht, dieses Zimmer den räumlichen Mittelpunkt seiner Lebensführung darstellt,indem er dort schläft, sich reinigt und seine Mahlzeiten einnimmt“, sondern daß er dort selbst auch schneidert.

Das hätte dem Wohnungsamt nichts Neues gesagt. Der Schneider selbst hatte es schon mitgeteilt. Und ob das Schneidern im Zimmer erlaubt war oder verboten, tat für das Gericht nichts zur Sache: „Die Unantastbarkeit der Menschenwürde und damit der Schutz der Geheimsphäre gilt uneingeschränkt auch für den, der einer Rechtsverletzung verdächtig erscheint.“