hst./Köln

Die Landstraße erster Ordnung Nr. 185 ist ab 1. April 1959 eine Bundesautobahn.“ So oder ähnlich wird es in irgendeinem Verordnungsblatt gestanden haben. Die Kraftfahrer, die jene Schnellverbindung von Köln nach Bonn oft benutzen, werden es nicht gelesen haben.

Es hat sie wohl auch nicht interessiert. Man sprach seit eh und je von der „Köln-Bonner Autobahn“. Allenfalls jene Fahrer, die auf dieser Strecke einen Strafzettel erhielten, werden mit Erstaunen gemerkt haben: Nicht auf der Autobahn, sondern der Landstraße erster Ordnung Nr. 185 hatten sie Verkehrsgesetze übertreten.

Daß die Autobahn keine Autobahn war, hing auf wunderliche Weise mit der „Vorsehung“ und unserem Führer zusammen. Die Autobahn von Köln nach Bonn wurde 1929 vom Provinzialverband der Rheinprovinz gebaut.

Dieser Straßentyp hatte bis dahin noch kein Vorbild. Der damalige Regierungsbaumeister Hugo Koestler wurde mit der Bauleitung beauftragt. Er plante eine zwölf Meter breite Straße mit vier Fahrbahnen, die durch weiße Streifen getrennt waren: Zwei Fahr- und zwei Überholungsbahnen, was ja dem Prinzip unseren heutigen Autobahnen (siebzehn Meter breit: je 7,50 Meter Fahrbahn plus vier Meter Grünstreifen) entsprach. Kosten: 12 Millionen Mark für zwanzig Kilometer. Geplant war ferner eine Beleuchtung mit Natriumdampflampen. Nur einen Grünstreifen in der Mitte hielt man noch für notwendig.

So wurden mach diesem Versuch mehrere tausend Kilometer Autobahn in Deutschland geplant. Zunächst allerdings blieben die Pläne in der Schublade. Erst später, als die Zeit Hitlers und seines Arbeitsbeschaffungsprogramms gekommen war, zog man sie wieder hervor. Tausende von Arbeitslosen wurden 1933/34 von den Arbeitsämtern weg in irgendwelche Baracken befördert, um dort die „Straßen des Führers“ zu bauen, „Reichsautobahnen“ genannt. Als das erste Stück der Strecke von Frankfurt bis Darmstadt höchst feierlich eingeweiht wurde, fuhr Hitler im offenen Mercedes mit erhobenem rechtem Arm die Strecke ab, derweil die Bevölkerung am Straßenrand stand und „Heil“ rief.

Diese Strecke galt fortan als erstes Stück „Reichsautobahn“. Das Teilstück Köln-Bonn war und blieb nur Landstraße erster Ordnung. Es konnte im „Dritten Reich“ nie eine richtige Autobahn werden, denn nicht der Führer, sondern ein finsterer Reaktionär hatte sie bauen lassen: Ein Mann namens Dr. Konrad Adenauer, der damals Vorsitzender des Provinzialverbandes der Rheinprovinz war. Und so kam es, daß der Verkehr zwischen Köln und Bonn über eine Landstraße erster Ordnung ging, während auf der alten Straße, der Reichsstraße Nr. 9, die Bauern mit ihren Fuhrwerken zu den Feldern fuhren.