Der Abschluß der Phoenix-Rheinrohr AG, Vereinigte Hütten- und Röhrenwerke, Düsseldorf, ist typisch für die Entwicklung der Eisen- und Stahlindustrie im Geschäftsjahr 1957/58. Dieses Jahr hat in seinem ersten Quartal noch die höchste Produktion und eine vom Markt getragene Stahlpreiserhöhung gebracht, und in der zweiten Hälfte waren unterbeschäftigte Betriebe, nachlassende Auftragseingänge und ein Preisverfall nicht nur auf den Auslandsmärkten die Begleitmusik beim westdeutschen Stahl. Phoenix-Rheinrohr hat auf Teilgebieten seiner Erzeugung den Becher der Baisse bis zur Neige geleert. Dieser große Röhrenerzeuger hatte sich in den vergangenen Jahren vergleichsweise stark im Exportgeschäft engagiert. Mit einem Exportanteil von 25 bis 30 v. H. des Umsatzes gehört Phoenix zu den größten Exporteuren an der Ruhr. Das Unternehmen wurde daher auch von dem Rückgang der Eisen-, Stahl- und Röhrenausfuhr besonders betroffen.

Neben den kleineren Mengen, die auf dritten Märkten abgesetzt wurden, hat vor allem der Erlöseinbruch, der zwischen 270 und 420 DM je t lag, das Geschäftsjahr 1957/58 belastet. Die Phoenixverwaltung erklärt, sie habe sich im Export nur deshalb betätigt, „um gewonnenes Terrain nicht wieder aufzugeben, oder aus der zwingenden Notwendigkeit heraus, eine ausreichende Beschäftigung für die Betriebe hereinzubekommen“.

Der Umsatz des Unternehmens blieb mit 1,502 (1,629) Mrd. DM um 8 v. H. hinter dem Vorjahrsergebnis zurück. In allen Produktionssparten war Phoenix im Berichtsjahr an die konjunkturelle Kette gelegt. Der Geschäftsbericht gibt erfreulich detailliert über die wirtschaftliche Entwicklung im Jahre 1957/58 Auskunft. Als Begründung für die Umsatzverminderung weist die Verwaltung neben dem Preisverfall im Ausland und zum Teil auch auf dem deutschen Markt auf den rückläufigen Versand der einzelnen Erzeugnisse hin. Der Roheisenabsatz blieb um 6,3, Rohre und Rohrerzeugnisse um 12,9 und Fertigstahl einschließlich Grobbleche um 10,6 v. H. hinter dem Versand des Jahres 1956/57 zurück.

Auch die Produktionsentwicklung unterstreicht die negative Tendenz des Berichtsjahres. Im Januar 1958 wurde noch mit 226 000 t die höchste Rohstahlerzeugung geschafft, und im Dezember des gleichen Jahres sind nunmehr 155 000 t erschmolzen worden. Im Berichtsjahr blieb immerhin die Rohstahlproduktion – dank der ersten guten Monate – mit 2,36 (2,42) Mill. t relativ hoch. Die Roheisenerzeugung ging auf 2,02 (2,14) Mill. t zurück. Walzstahl blieb mit 1,78 (1,82) Mill. t ebenfalls nennenswert unter der Vorjahrsgrenze. Das gilt auch für die Röhrenerzeugung, die im Berichtsjahre nur noch 0,49 (0,56) Mill. t ausgemacht hat. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres hat sich der Trend nach unten noch weiter verschärft. Den stärksten Rutsch hatte die Grobblechproduktion zu verzeichnen, die in den ersten sechs Monaten des Jahres 1958/59 auf 58,7 v. H. gegenüber den ersten Halbjahr des Berichtsjahres gefallen ist.

Trotzdem beurteilt die Verwaltung dieses Mortanunternehmens die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr bemerkenswert positiv. Der Auftragseingang habe sich, wie Vorstandsmitglied Ernst-Wolf Mommsen in einer Pressekonferenz erklärte, merklich verbessert. Zwar werde die Eiholung beim Stahl in erster Linie vom Export getragen, aber auch der Inlandsmarkt werde wieder aktiver. Phoenix-Rheinrohr habe für die nächsten drei Monate keine akuten Sorgen für die Beschäftigung. Die Kurzarbeit ist bei dieser Gesellschaft in allen Bereichen wieder aufgehoben. Aber dann müsse sich, wie Mommsen betonte, die Frage entscheiden, ob die jetzt sichtbaren positiven Momente Anzeichen einer „natürlichen Entwicklung wären, die einen Anschluß findet“. Die von Amerika ausstrahlende Unsicherheit – ob nur Angstkäufe auf Grund des drohenden Stahlstreiks das internationale Stahlgeschäft ankurbeln, oder ob eine echte Belebung bereits im Gange ist – mischt einige Wermutstropfen in den Becher der Hoffnung. Die Phoenixverwaltung versäumte nicht, erneut darauf hinzuweisen, daß die Stahlindustrie nach wie vor große Sorgen habe. Wie Mommsen erklärte, dürfe die ungelöste Frage der Erhöhung des Umsatzausgleichssteuersatzes für Importstähle nicht in der allgemeinen Freude über die erwartete Belebung der Stahlkonjunktur untergehen. Zwar habe sich der Importdruck aus Frankreich etwas vermindert – da auch Frankreich von dem Aufschwung auf dritten Märkten profitiere – aber die Stahlindustrie müsse nach wie vor auf dem von ihr geforderten „Rechtsschutz gegen die Verzerrung der Wettbewerbsverhältnisse durch die zweimalige französische Abwertung“ bestehen.

Neben den düsteren Aspekten, die sich im Geschäftsjahr 1957/58 aus der Marktlage ergaben, kamen der Phoenix-Rheinrohr AG eine Reihe freundlicher Momente sehr zugute. Der auch in diesem Jahre weit über die Publizität anderer Montankonzerne hinausgehende Jahresabschluß, der in der Pressekonferenz durch das Vorstandsmitglied Dr. Hans Karl Vellguth noch sehr freimütig ergänzt wurde, zeigt deutlich, wie gut ein Unternehmen auch in Baissezeiten noch abschneiden kann, wenn alle steuerlichen Möglichkeiten genutzt werden. Zwar weist der Vorstand darauf hin, daß das Geschäftsergebnis im Berichtsjahr auf 19 (34,5) Mill. DM gesunken ist, aber die vorgelegten Zahlen und ihre mündlichen Erläuterungen beweisen auch, daß das Unternehmen die steuerlichen Gewinnverwendungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit den Auswirkungen einer steuerlichen Buch- und Betriebsprüfung meisterhaft zu nutzen verstanden hat. Die gegenüber dem Vorjahr stark verringerte Körperschaftsteuer von 1,44 (13,55) Mill. DM dürfte mehr als Beweis für die steuerrechtliche Akrobatik des Vorstandes denn als Indiz für eine in dem Ausmaß verschlechterte Ertragslage zu werten sein.

Die Investitionen des Berichtsjahres überstiegen wiederum die Abschreibungen erheblich. Nach einem Zugang von 124 Mill. DM steht In der konsolidierten Bilanz das Anlagevermögen zum Bilanzstichtag mit 843,08 (809) Mill. DM zu Buch. Das Beteiligungskonto ist auf 162,98 (124,68) Mill. DM angewachsen. Der Zugang betrifft im wesentlichen den Erwerb von Beteiligungen an der Emscher-Lippe Bergbau AG, Datteln (Westfalen) mit rund 30 Mill. DM. Daneben erscheint hier auch eine Erhöhung des beteiligungsähnlichen Darlehns an die Blohm & Voss AG, Hamburg, auf 26,5 v. H. Im neuen Geschäftsjahr konnte Phoenix seinen Beteiligungssatz bei Blohm & Voss auf 41,2 v. H. des jetzt 17 Mill. DM ausmachenden Grundkapitals der Hamburger Werft erweitern. Angestrebt wird nach wie vor eine mindestens 50%ige Beteiligung.