Polen ist ein Land der Jugend, und diese Jugend lebt ihr eigenes Leben – Eindrücke im Studentenklub

Von George Sherman

Warschau, im April

In Warschau ist der Frühling in diesem Jahr besonders schön. Ein blauer Himmel liegt über der Stadt, und auf den Wegen und Bänken der Parks drängen sich die jungen Pärchen. Sie scheinen – außer für sich selbst – für nichts Interesse zu haben.

Ihrem äußeren Bild nach würden diese jungen Paare sehr gut auch in die Londoner Parks passen oder an das Seine-Ufer. Die Burschen tragen Röhrenhosen und weite Pullover. Ihre Haare sind ganz kurzgeschnitten. Die Mädchen haben helle, wollene Kniestrümpfe an, dazu gerade, einfache Röcke. Viele haben Pferdeschwänze, andere jene modernen Frisuren von wohlgeplanter Zerzaustheit.

Diese vielen jungen Menschen, die das Stadtbild von Warschau beherrschen, machen anschaulich, was die Statistiker errechnet haben: Mehr als jeder andere europäische Staat ist Polen ein Land der Jugend. Seit dem Kriege steht die polnische Geburtenrate in der Weltstatistik ganz obenan – und zwar bei 27 je Tausend. Bis zum Jahre 1965 wird die Bevölkerungszahl voraussichtlich von 30 Millionen auf 32 Millionen angewachsen sein.

Aus der Enge heraus