Als sich die Bundesbank Ende 1958 dazu entschloß, die volle Konvertibilität der D-Mark herzustellen, ließ sie einige administrative Hürden bestehen, die kurzfristige ausländische Vermögensanlagen in Deutschland abwehren sollten. Schön damals wußte die Bundesbank, daß es nur eine Frage der Zeit war, bis auch diese letzten Devisenvorschriften fallen würden. Das ist jetzt geschehen in einem Augenblick, in dem nicht mit einem Einströmen von großen Fluchtkapitalien in die Bundesrepublik gerechnet werden muß. Ab 1. Mai dürfen Ausländerkonten von den Banken verzinst werden; Deviseninländer können Kredite im Auslande auch dann aufnehmen, wenn ihre Laufzeit kürzer als fünf Jahre ist; vor allem aber können ausländische Banken deutsche Geldmarktpapiere erwerben.

Damit ist Freiheit des Kapital- und Geldverkehrs nach beiden Richtungen hin geschaffen. Erst jetzt kann eine echte Zinsarbitrage zwischen der Bundesrepublik und Ländern mit konvertibler Währung erfolgen.

An der Konzeption, daß die Bundesrepublik als Gläubigerland Kapital ausführen und nicht einführen soll, ändert sich damit nichts. Die entsprechenden Wege aber werden nicht mehr durch administrative Bestimmungen vorgezeichnet. Das ist vielmehr im wesentlichen eine Funktion des Zinses. Was den Kapitalzins angeht, scheinen jetzt, das zeigt der überraschend große Erfolg der Weltbankanleihe, die Dinge in der richtigen Waage zu liegen. Erstklassige Auslandsschuldner können mit Erfolg an den deutschen Kapitalmarkt herantreten. Über den Erfolg einer Auslandsanleihe am deutschen Kapitalmarkt entscheiden nicht mehr die Konditionen, die hier gefordert werden, sondem allein die Kreditwürdigkeit des Schuldners.

W. R.