Es ist mit den dichterischen Übertragungen einigermaßen wie mit dem Ey das Columbus.

August Wilhelm von Schlegel

Shakespeare in Texas

Theseus, der Herzog von Athen, wird einen Cowboyhut tragen, und Hippolyta, die Königin der Amazonen, soll die Tochter eines Indianerhäuptlings sein in der „texanischen“ Fassung des „Sommernachtstraums“, den Studenten des Howard Payne College während der internationalen Festspiele der Studentenbühnen, Ende Juli, in Bristol aufführen wollen. Die Handlung spielt auf einer Ranch im Texas des Jahres 1885, und wenn der Vorhang sich hebt, sitzen Cowboys, Gitarre in der Hand und Colt am Gürtel, singend um ein Lagerfeuer. Obwohl auch Hermia und Helena einem Wildwestfilm entsprungen zu sein scheinen, sollen nach Ansicht von Professor Macdonald Held, dem Leiter der Gruppe, die Zuschauer keine Schwierigkeiten haben, sich zurechtzufinden. Nicht jeder ist getröstet, wenn er’s hört.

Echter Shakespeare mit „echtem“ Mohren

Die neueste Inszenierung von „Othello“ im Shakespeare-Theater von Stratford-upon-Avon hat bei den konservativeren Theaterkritikern helle Empörung ausgelöst. Regisseur Tony Richardson läßt Othello von dem amerikanischen Neger-Sänger und -Schauspieler Paul Robeson als leidende Kreatur, Jago von dem Amerikaner Sam Wanamaker als eine Art Gangster aus Chikago und Desdemona von Mary Ure (im bürgerlichen Leben: Mrs. John Osborne) ohne die Sanftheit und reine Unschuld spielen, die üblicherweise von Othellos Opfer erwartet wird. Die Verse freilich sind, selbst dann, wenn (wie die Theaterkritiker ebenfalls beanstanden) auf rhetorischen Glanz weitgehend verzichtet wird, noch immer die gleichen, die Shakespeare selber geschrieben hat. Wodurch sie sich zu ihrem Vorteil von allen Übersetzungen unterscheiden.

Frank Lloyd Wright †

Am 9. April starb im Alter von fast 90 Jahren Frank Lloyd Wright: Amerikas umstrittenster, eigenwilligster, vom Akademismus am weitesten entfernter, der Genialität am nächsten stehender Architekt. Wright, der, nach seinen eigenen Worten, ein Verfechter organischer Architektur war und zum Beispiel für Wohnhäuser mit Vorliebe Holz und Feldstein verwandte, strebte Synthesen von phantasievoller Schöpfung, Zweckmäßigkeit und Verbundenheit mit der Landschaft an. Als Wright 80 war, entwarf er die Wolkenkratzerstadt der Zukunft: einen Wohnturm mit 528 Stockwerken und mit atomkraftgetriebenen Fahrstühlen.