Von Loni Skulima

Nikosia, im April

Wenn Unruhen beginnen, kommen keine Besucher mehr. So war es auch auf Zypern, das vor dem Beginn der blutigen Wirren viele Touristen angelockt hatte. Nun, da die Insel zum Frieden gekommen ist, geht man daran, auch den Reiseverkehr wieder zu beleben.

Wer heute durch die kleinen Städte der landschaftlich so anmutigen wie strategisch bedeutsamen Mittelmeerinsel schlendert, die vier Jahre lang jedem friedlichen Verkehr verschlossen war, erlebt noch ein Stück Zeitgeschichte am Rande mit, Erzbischof Makarios und General Grivas vergilben gemeinsam auf vielen Plakaten, die sich urplötzlich mit der Unterzeichnung des Zypern-Vertrages an den Wänden fanden. Abzeichen mit dem Bild des während der blutigen Jahre nur im Geheimen tätigen Führers der griechischen Untergrundbewegung scheinen in Millionenzahl auf dem Markt zu sein. Immer wieder gibt es Verbrüderungen auf offener Straße und Feiern für die Sieger, zu denen die halbe Insel zusammenläuft.

Mittelpunkt der Insel, Sehenswürdigkeit und Wallfahrtsziel Nummer eins ist das neue erzbischöfliche Palais in Nikosia mit den weißen Rundbogenfenstern und den vielen offenen Veranden. Es ist eigens zur Wiederkehr von Erzbischof Makarios gebaut worden. Das alte Palais daneben schaut wirklich gebrechlich aus.

Bei Gesprächen mit den Einheimischen hört man stets Hoffnungen ausgesprochen. Es möge unter der Führung von Makarios und der Kooperation der Türken die Unabhängigkeit und die Demokratie sich entwickeln, so sagen sie, und was immer der einzelne sich darunter vorstellen mag, das Gefühl der Erlösung leuchtet aus aller Augen. Als erster soll der nervus rerum in Ordnung gebracht werden, indem man neues Geld prägt, „ohne die Königin Elisabeth drauf“. Eine neue Fahne ist schon entworfen, weiß-blau-rot, nach den griechischen und türkischen Farben.

Zur Zeit wird überall der Stacheldraht zusammengerollt, der die wichtigsten Gebäude vor den Terrorgruppen hatte schützen sollen. Staunend steht der Fremde vor den zerkratzten Straßenschildern. Da haben doch die Griechen in ihren Quartieren die türkischen und die englischen Straßennamen entfernt, und umgekehrt taten’s die Türken. Vier Fünftel aller Zyprioten sind ja Griechen, nicht ganz ein Fünftel sind Türken. Nun werden alle Schilder frisch gemalt. Ohne Gewehr patrouillieren die britischen Militärposten durch die Straßen.