In den zurückliegenden zwölf Jahren des Bestehensder Hannover-Messe war es immer ein wesentliches Anliegen, der Exportpflege und dem Exportdrive der in Hannover ausstellenden Industrie als ein – wenn auch nur zusätzliches, so doch aktives – Instrument zu dienen. Da das Warenangebot auf der Messe in den letzten Jahren ein Höchstmaß an Vielfalt und Konzentration erreicht hat, so daß man Hannover heute als eine Summe von Fachmessen bezeichnen kann, ist es unumgänglich geworden, von der Einkäuferwerbung her jeder Industriegruppe den Service zu bieten, den sie von einer Fachmesse erwarten muß.

Die Leitung der Industriemesse hat dieser Entwicklung nicht nur durch eine noch intensivere und spezialisiertere Facheinkäuferwerbung Rechnung getragen, sondern unter stetiger Beobachtung der Veränderungen im weltwirtschaftlichen Geschehen und in der Handelspolitik eine Schwerpunktwerbung speziell in Übersee betrieben. Im Jahre 1957 lag der Schwerpunkt einer entsprechenden Werbekampagne in Ostasien einschließlich der Volksrepublik China. Zur Messe 1958 wurde eine bewußt gezielte Werbung in Lateinamerika betrieben, und zur diesjährigen Messe steht der Wirtschaftsraum Afrika im Vordergrund.

Diese Werbeverdichtung in Afrika bot sich nicht nur an im Hinblick auf die durchaus günstige Entwicklung des deutschen Afrikahandels allgemein, sondern auch wegen der Anfang 1959 praktisch angelaufenen Assoziierung des euro-afrikanischen Wirtschaftsraumes im Rahmen der EWG, deren Kommission inzwischen die ersten Ausschreibungen für die von ihr genehmigten Investitionsvorhaben in Afrika veröffentlicht hat

Nach der recht erheblichen Steigerung des Außenhandelsvolumens zwischen der Bundesrepublik und Afrika im Jahre 1957 zeigen die Wirenaustauschzahlen des Jahres 1958 zwar auf der Einfuhrseite ein. geringes Absinken, im Export nach Afrika jedoch eine weitere leichte Steigerung: die Einfuhr der Bundesrepublik aus Afrika belief sich 1958 auf 1,97 Milliarden DM, gegenüber 2,04 Milliarden DM 1957. Die Ausfuhr der Bundesrepublik erreichte im vergangenen Jahr 1,93 Milliarden DM gegenüber 1,92 Milliarden DM 1957.

Man darf allerdings nicht übersehen, daß es im Ausmaß der Geschäfte mit Afrika einen regional unterschiedlichen Verlauf gegeben hat: die zunehmenden Käufe der Südafrikanischen Union waren für den günstigen Trend in der Ausfuhrentwicklung nach Afrika ganz entscheidend, und die Union ist heute der größte Kunde der Bundesrepublik in Afrika. Starke Rückgänge gab es dagegen beim Sudan, bei Ghana, in Ostafrika und einigen anderen afrikanischen Ländern bzw. Territorien.

Die noch in diesem Jahr zu erwartende Freigabe von rund 130 Millionen RE. aus dem Entwicklungsfonds für die Inangriffnahme und Durchführung von Großinvestitionen im afrikanischen EWG-Raum wird zweifellos auch einer Verdichtung des Warenverkehrs der Bundesrepublik gerade mit jenen Gebieten Afrikas zugute kommen, die bisher eine relativ geringe Verflechtung mit dem deutschen Markt hatten. Die Hannover-Messe, auf der heute 770 Auslandsfirmen Industriefertigwaren ausstellen, von denen 273 führende Firmen aus 6 Staaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft stammen und 371 Firmen der Europäischen Freihandelszone zuzurechnen sind, stellt einen ideal zu nennenden Platz des europäischen Produktionsgüterangebotes oder – wie es einmal anders ausgedrückt wurde – „das gegebene Atelier für die industrielle Ausrüstung der Entwicklungsländer“ dar.

Trotz aller im vollen Fluß befindlichen Veränderungen der staatlichen und territorialen Ordnungen in Nord- und Mittelafrika und aus der Sicht der geographischen Nachbarschaft her bleibt Europa die natürliche Werkstatt für Afrika. Diese Zusammenarbeit jedoch bedarf einer ständigen Pflege der menschlichen Beziehungen und Kontakte. Es wird eine der Aufgaben des Afrika-Wirtschaftstages in Hannover sein, auf breitester Plattform diese Vertrauensfestigung und -Vertiefung weitestgehend zu fördern. Es werden aus allen afrikanischen Staaten und Ländern etwa 35 bis 38 inoffizielle und offizielle Delegierte erwartet, und es kann angenommen werden, daß auch insbesondere aus dem Raum der Communauté Regierungsabordnungen in Hannover erscheinen, so daß mit etwa 70 afrikanischen Gästen zu rechnen ist. In Arbeitskonferenzen von fünf Gruppen werden alle wesentlichen und aktuellen Fragen dieses wirtschaftlichen Zusammenwirkens zwischen Afrika und Europa sowohl in Form von Hauptreferaten wie auch durch Diskussionsbeiträge der afrikanischen Gäste am 29./30. April besprochen und diskutiert werden. Ein festlicher Abendempfang am Abend des 30. April wird alle Konferenzteilnehmer vereinigen. Mitgestalter des Afrika-Wirtschaftstages sind der Afrika-Verein Hamburg-Bremen e. V. und die Deutsche Afrika-Gesellschaft, Bonn.