Der Hagener Banden-Prozeß versucht, das Dunkel um eine große Schlägerei und einen Toten zu lichten

Von Heinz Stuckmann

Die „Deutsche Presse-Agentur“ meldete am 6. April 1959:

Der Prozeß gegen die als „Schwarze Panther“ aus Schwerte und „Schwarzjacken“ aus Iserlohn bezeichneten 37 jugendlichen Angeklagten beginnt am Mittwoch dieser Woche vor dem Landgericht in Hagen. Weil kein genügend großer Raum im Gerichtsgebäude zur Verfügung steht, soll der Prozeß in einem naheliegenden Saal stattfinden. 18 Anwälte bilden die Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hat für diesen Prozeß Verstärkung angefordert. Die Anklage wirft den Jugendlichen Landfriedensbruch, Raufhandel, Körperverletzung mit Todesfolge und versuchten Totschlag vor. Die Jungen haftet, sich im Oktober vorigen Jahres auf der Schwerter Herbstkirmes mit Messern, Stahlruten, Totschlägern und Zaunlatten einen regelrechten Kampf geliefert. Hunderte von Kirmesbesuchern sahen dem blutigen Treiben zu. Als die Polizei auf dem Kampfplatz erschien, waren der 17, Jahre alte Klaus Tonat aus Iserlohn erstochen und sein 19 Jahre alter Bruder Otto lebensgefährlich verletzt. Fast alle Teilnehmer an dieser Bandenschlacht ... erlitten damals Verletzungen.

Der Hilfsarbeiter Klaus Leibner, 18 Jahre alt, nach Meinung aller Unbeteiligten Anführer der Schwarzen-Panther-Bande in Schwerte an der Ruhr, Spitzname: „Kassa“, sieht es anders: „Ich bin zur Kirmes gegangen. Unterwegs ging ich erst noch zum Krummen Schmidt eins trinken. Da war der Herbert Rausch und der Manfred Jeschor. Jeschor hatte Geburtstag. Da habe ich auch drei Glas Bier getrunken. Danach sind wir zur Raupe gegangen. Ich weiß nicht mehr, wer da alles war ... Bei mir waren der Wilfrid Leifeld und die Agnes Lützenkirchen. Auf der Raupe war der Lothar Krämer. Der hat mich angeödet, und da habe ich ihm eins gescheuert. Da kamen drei Iserlohner – ich weiß nicht mehr, wer das war – und die wollten sich reinmischen. Da haben wir sie kurz weggetan.“

Vorsitzender: „Wer ist wir?“

Leibner: „Na – Krämer und ich.“