Von Günter Blöcker

Dem armen James Jones, Verfasser des verflossenen Bestsellers „Verdammt in alle Ewigkeit“, ist von der amerikanischen Kritik jüngst so übel mitgespielt worden, daß er sich verbittert nach Paris zurückgezogen hat. Ob er das literarische Klima an der Seine für milder hält? Oder ob er hofft, sich mit dieser Geste in die ruhmreiche Schar jener amerikanischen Exilpoeten einzureihen, die in den zwanziger Jahren Literaturgeschichte machten?

Wie dem auch sei – seine Sorgen sind unbegründet. Denn wie gut oder schlecht seine neuen Bücher immer sein mögen – die Stellung dieses Autors in der Geschichte der Nachkriegsliteratur ist nicht mehr zu erschüttern. James Jones hat mit jenem Roman von dem Soldaten Prewitt, der im aussichtslosen Alleingang gegen die Militärmaschinerie anrennt, ein Zeitdokument geschaffen, das man keinesfalls missen möchte. Jenes Buch mußte geschrieben werden – nicht um die Literatur um irgendwelche Ausdrucksformen zu bereichern, sondern ganz einfach um des menschlichen Anstandes willen. Der Kampf um die Menschenwürde, der hier – stellvertretend für jeden anderen Schauplatz – auf den Kasernenhöfen einer amerikanischen Garnison ausgetragen wurde, muß das große Thema einer Epoche bleiben, deren erschreckendster Zug es ist, daß sie sich des Verlustes dieser Würde kaum noch bewußt zu sein scheint.

Der Passionsweg des Schützen Prewitt war keine vergnügliche Lektüre; und so haben die literarischen Spruchsprecher auch in der Deutschen Bundesrepublik nicht mit pharisäerhaftem Entsetzen gespart. Wie immer bei uns, sah man Institutionen gefährdet, wo es sich – gerade umgekehrt – um die Gefährdung des einzelnen durch eine Institution handelte. Die Hoffnungszeichen, die dieses harte Buch setzte, lagen nicht in der Story, auch nicht in dem – notwendigerweise – brutalen Text, sie lagen in der Tatsache, daß es geschrieben wurde.

Mit seinem neuen Roman –

James Jones: „Die Pistole“, deutsch von Werner von Grünau; S. Fischer Verlag, Frankfurt; 202 S., 8,80 DM

– es ist sein dritter, der zweite folgt in der deutschen Übersetzung erst später – kehrt der Autor nun noch einmal in das Milieu seines aufregenden Erstlings zurück. Wieder befinden wir uns auf Hawaii, wieder ist es die Stunde von Pearl Harbour, und wieder geht es um den kleinen Mann. Wie der Schütze Prewitt, so gehört auch der Gefreite Richard Mast zu jenen rudimentären Individualisten, in denen Jones mit Recht eine Individualisten, Spielart des modernen Helden erblickt. Wobei es besonders geglückt und vielsagend erscheint, daß es sich in beiden Fällen keineswegs um Intellektuelle handelt, sondern um zwei durchaus primitive, ungeistige Menschen, von denen man meinen sollte, daß sie für das Kollektiv geboren sind.