Kanadische Aktien verkaufen?

Ich bin Besitzer kanadischer Industrieaktien und stelle mir auf Grund Ihrer Ausführung die Fragen:

1. Gilt der Inhalt des Artikels „Amerika zweifelt am Dollar“ (ZEIT v. 10. 4. 1959) auch für Kanada, angesichts der starken Bindung des kanadischen Dollars an den US-Dollar?

2. Wenn ja, würde das heilen, daß ich diese Aktien besser jetzt abstoße?

3. Ist andererseits nicht die Überlegung richtig, daß bei einer Abwertung des Dollars (hier also auch des kanadischen) die Aktienkurse entsprechend ansteigen und mit den Preisen auch die Dividenden? Daß damit auf längere Sicht gesehen also für den Aktieninhaber sich nichts verschlechtern würde? Dr. H. H., Göttingen

Antwort: Mit der Veröffentlichung unseres Artikels „Amerika zweifelt am Dollar“ wollten wir nicht zum Ausdruck bringen, daß wir in nächster Zeit eine Dollarabwertung bzw. eine Goldpreiserhöhung erwarten. Der Artikel sollte aber zeigen, welche Gesichtspunkte in den USA bei der Geld- und Vermögensanlage z. Z. eine Rolle spielen. Im übrigen sind wir der Meinung, daß die Entwicklung des USA-Dollars nicht isoliert von der des Kanada-Dollars vonstatten gehen kann. Wir bitten aber zu berücksichtigen, daß eine Dollarabwertung die amerikanischen (bzw. kanadischen) Aktien kaum benachteiligen wird. Eine Dollarabwertung würde heißen, daß die Substanz der Aktiengesellschaften neu bewertet, d. h. praktisch heraufgesetzt werden muß, was sich dann auch in höheren Aktienkursen ausdrücken wird. Auslandsanleger haben also die Chance, die Währungsabwertung durch entsprechend höhere Aktienkurse ausgeglichen zu erhalten. Das gilt nicht nur für die USA, sondern auch für alle anderen Länder.

Wiesich eine Abwertung des Dollars auf die Dividenden auswirken würde, läßt sich von vornherein nicht sagen, da hier Probleme des internationalen Wettbewerbs wirksam werden, der dann auch die jeweilige Gewinnlage beeinflußt. Berücksichtigt man diese Gesichtspunkte, dann kann man sagen, daß Sie aus Währungserwägungen Ihre kanadischen Aktien nicht abzustoßen brauchen.