Die Metallgesellschaft AG, Frankfurt/Main, kommt in ihrem Geschäftsbericht 1957/58 nochmals auf die Überlegungen zu sprechen, die sie veranlaßt haben, neben einer Dividende von 12 v. H. auf das derzeitige Grundkapital von 56 Mill. DM eine Übergangsdividende in gleicher Höhe auf das eventuell auszugebende Zusatzkapital von 56 Mill. DM auszuschütten (die Metallgesellschaft beabsichtigt nach Erlaß des vorgesehenen „Gesetzes über die Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln“ Gratisaktien im Verhältnis 1:1 auszugeben). Das entsprechende Verhalten der Metallgesellschaft ist in der Öffentlichkeit verschiedentlich falsch verstanden worden. Es ist nicht etwa so, als ob das Unternehmen in den Nachkriegsjahren extrem hohe Gewinne erzielt und auf solche Weise seine Rücklagen verstärkt hätte. Die Vermögenswerte, die die Ausgabe von Zusatzaktien erlauben, waren vielmehr bei Aufstellung der DM-Eröffnungsbilanz bereits vorhanden. Sie wurden damals allerdings, wie man jetzt rückschauend feststellen muß, zu niedrig bewertet. Das hat seine verschiedenen Gründe. Einmal haben erst die DM-Bilanz-Ergänzungsgesetze eine richtige Bewertung erlaubt, zum anderen ließen die Verhältnisse im Zeitpunkt der Erstellung der DM-Eröffnungsbilanz eine sehr vorsichtige Bewertung für richtig erscheinen. Die Metallgesellschaft mußte seinerzeit noch mit Demontagen und Dekartellisierungsmaßnahmen rechnen. Das ist heute alles überholt. Daher erscheint es jetzt richtig, die damalige Bewertung durch Ausgabe von Zusatzaktien zu korrigieren, um nicht eine Ertragskraft vorzutäuschen, die nicht besteht.

Natürlich darf man aus solchen Überlegungen heraus nicht folgern, es sei der Metallgesellschaft in den letzten Jahren nicht gut gegangen. 12 v. H. Dividende auf ein nachträglich korrigiertes Kapital ist vielmehr ein hervorragendes Ergebnis, vor allem auch für ein Unternehmen, das in einem so schwierigen Bereich, wie dem der Ne-Metalle, sein Arbeitsfeld gefunden hat. Die Kunst der Metallgesellschaft ist es, die spekulativen Momente durch geeignete Geschäfte zu beseitigen: mit anderen Worten, nicht in der Spekulation, sondern in ihrer Ausschaltung liegt das Geschäftsprinzip. Eine der wichtigsten Voraussetzungen hierfür ist das Vorhandensein einer hohen Liquidität. Am 30. September 1958 betrugen zum Beispiel die Nostroguthaben und die baren Mittel über 90 Mill. DM, was bei einem Bilanzvolumen von 552 Mill. DM beachtlich ist. Liquidität aber kostet Geld. Dennoch fühlt sich das Unternehmen keineswegs unwohl; es weiß, daß die Dinge über kurz oder lang wieder ganz anders aussehen können. Das Auf und Ab der Metallpreise bereitet vor allem den Urproduzenten, das heißt den Bergwerken, erhebliche Sorgen. Sie sind mit hohen fixen Kosten belastet, ihre Erträge schwanken ungewöhnlich. Die Metallgesellschaft braucht eine hohe Liquidität ferner, weil sie auch ein Finanzinstitut ist. -eb.