In Passau, der wunderschönen Stadt, sind mit Recht schon viele berühmte Menschen zu Gast gewesen, Haydn, Mozart, Stifter, Berlioz, ja selbst Napoleon. Hector Berlioz hat dort an „Fausts Verdammung“ gearbeitet, aber auch Napoleon hat getan, was er tun konnte: er hat im Hause 14 der Theresienstraße Rühreier gegessen. Aber da er die Gewohnheit hatte, sehr rasch zu essen, ist er denn auch bald wieder weggefahren und nahm sich nicht einmal Zeit, die Zerstörungen zu besichtigen, die er in Passau angerichtet hatte. Das war am 28. Dezember 1805.

Und heuer, im Jahre 1959, will der Baurat und Denkmalpfleger Hans Karl Moritz, zu Ehren Napoleons dort, wo er die Eier genoß, eine Gedenktafel anbringen lassen, und dies ausdrücklich im Zeichen „deutsch-französischer Verständigung“ und europäischer Verbundenheit!

Aber da wurden die Passauer böse, und es ist ein großer Krach entstanden, der deutlich zeigt, daß manche Bewohner dieser Stadt mit vielen Bürgern der französischen Hauptstadt eines gemeinsam haben: nämlich den Verdacht, daß Napoleon ein Genie war, dem der Satz: „Seid nett zueinander“ nicht in allen Lebenslagen so geläufig über die Zunge floß wie Rührei. Kurz, die Passauer wollen die Gedenktafel nicht.

Richtig so! Napoleon ist zuviel gereist. Ganz Europa könnte man mit Tafeln schmücken. Ja, selbst ich müßte – ginge es nach dem Denkmalpfleger Moritz – eine Tafel tragen: Habe ich doch nachweislich in einem Bett geschlafen, in dem Napoleon schon schlief!

Doch sehen wir zu, wie wir den Streit um des Kaisers Rühreier, der die süddeutschen Zeitungen beschäftigt, schlichten können: Nicht eine Tafel mit dem Namen Napoleons an dieses einzige Haus Theresienstraße 14, statt dessen aber ein napoleonisches „N“ oder eine hübsche Krone auf jedes Passauer Ei, dem es bestimmt ist, Rührei zu werden! Wohin immer im Zeichen Europas ein solches Ei exportiert würde, jeder Käufer würde an Passau und Napoleon denken, ehe er es in die Pfanne schlägt! J. M.