Schon 0,75 Milligramm des Nervengases Tabun sind tödlich – bei Flensburg lagert ein ganzes Schiff voll

H. W., Kiel

Es wird wahrscheinlich nicht mehr allzulange bis zur Räumung der beiden Gasgranatenschiffe dauern, die am Ausgang der Flensburger Förde nahe der dänischen Insel Aerö liegen.

Wie das Granatenwrack mit dem tödlichen Gift – dem Nervenlähmungsgas Tabun – beseitigt werden soll, steht freilich noch nicht fest. Erst wenn die Kampfstoffchemiker der Industrie und der Bundeswehr dem Kieler Innenministerium ihre detaillierten Berichte über die Vernichtungsmöglichkeiten der Sprengkörper vorlegen, kann darüber entschieden werden. Vielleicht werden die Wrack an Land geschleppt und der Giftstoff, dort nach der normalen Entschärfung der Sprengkörper, in einer besonderen Verbrennungsanlage vernichtet.

Seit April 1945

Fest steht indes auf alle Fälle, daß es höchstens noch einige Monate dauern wird, bis dieser Gefahrenherd in der westlichen Ostsee beseitigt wird. Und was sind schon einige Monats angesichts der Tatsache, daß die Wracks seit den Apriltagen des Jahres 1945 dort liegen – und daß keiner für sie verantwortlich sein wollte?

In den vierzehn verflossenen Jahren haben sich etliche Landes- und Bundesbehörden sowie das dänische Außenministerium mit der Frage, befaßt: Wer ist eigentlich für die Beseitigung der beiden Wracks zuständig? Denn diese Wracks liegen zwar nur rund 30 Meter unter der Wasseroberfläche, aber weder in deutschen noch in dänischen Hoheitsgewässern. Wem also „gehören“ die Höllenkähne?