Wieder einmal – zum 12. Male – öffnet die Deutsche Industrie-Messe in Hannover ihre Tore. Es hielte Eulen nach Athen tragen, wollte man die Bedeutung dieser in Jedem Jahr größeren Ausstellung mit bewegten Worten preisen. Die Hannoversche Messe spricht für sich. In 18 Hallen mit über 270 000 qm Fläche und auf einem Freigelände von 140 000 qm versammelt sich keine Provinz, sondern im wahrsten Sinne die Welt.

Die 770 ausländischen Aussteller aus 25 Ländern sind weniger denn je Randfiguren einer nationalen Schau. Die Deutsche Industrie-Messe wäre ohne sie heute unvorstellbar. Besser als alle, die ihr vorausgingen, ist die diesjährige Ausstellung geeignet, alle Befürchtungen, Europa könnte sich abkapseln und „einigeln“, zu zerstreuen. Die Tatsache, daß die Länder, die nicht zur EWG gehören, noch stärker als zuvor vertreten sind, sollte auch die Kleingläubigen belehren, daß unser Ziel nicht der Austausch mit sechs Staaten ist, sondern der freie Handel mit der ganzen Welt. Europa bedeutet ja keineswegs einen letzten Wert, und wir sollten nicht aufhören, den nationalen Egoismus und Protektionismus zu bekämpfen.

Ich begrübe das greife Vertrauen, das das Ausland dadurch, daß es die Deutsche Industrie-Messe so reichhaltig beschickt, der deutschen Wirtschaft beweist. Das Anerkennen ihrer Leistungsfähigkeit jenseits der Grenzen ist die Voraussetzung für ihren weiteren Bestand und ihr stetes Wachstum. Ich würde mich freuen, wenn auch in diesem Jahr wieder neue und starke Verbindungen zwischem dem Ausland und der Bundesrepublik geknüpft werden könnten.

Ludwig Erhard

Bundesminister für Wirtschaft