Von Kurt Döring

Am 1. Mai werden im Bauhauptgewerbe die Löhne erneut erhöht. Eine deutliche Mahnung, in den Mechanisierungsbemühungen des Baubetriebes nicht nachzulassen. Die Mechanisierung hat zwar trotz ihrer stürmischen Entwicklung Lohn- und Kostensteigerungen nicht ausgleichen, sie jedoch zu einem beträchtlichen Teil abfangen können. Der Umsatz des Bauhauptgewerbes erhöhte sich von knapp 5 Mrd. DM 1949 auf reichlich 17 Mrd. DM 1958. Die Preis- und Lohnsteigerungen in diesem Zeitraum sind nach Ansicht der Bauindustrie durch Verbesserung der Leistung und der Produktivität so weit ausgeglichen worden, daß mit einer effektiven Steigerung der Produktion auf fast das Zweieinhalbfache gerechnet werden könne. Diese Produktionssteigerung wurde mit einer nur um etwa 50 v. H. erhöhten Beschäftigtenzahl bewältigt.

Seit 1950 ist die Zahl der Aufzüge auf fast das Doppelte gestiegen und dürfte heute bei etwa 45 000 liegen. Bei Betonmischern geht es über eine Verdoppelung hinaus auf reichlich 100 000. Die Zahl der Förderbänder hat sich verdreifacht auf etwa 17 000 und die der Turmdrehkräne sogar verzehnfacht auf rund 6500. Einer der größten Turmdrehkrane in Deutschland wird von 15 Elektromotoren angetrieben und kann eine Rollenhöhe von 101 Meter erreichen bei einer Ausladung von rund 20 Meter. Stark ausgeweitet hat sich auch der Einsatz von Planierraupen, Baggern und Kompressoren.

Diese Umstellung der Bauwirtschaft von einem lohnintensiven Wirtschaftszweig in einen anlage- und kapitalintensiven vollzog sich unter schwierigen Bedingungen. Völlig regelwidrig mußte die Finanzierung oft über kurzfristige Bank- und Lieferantenkredite geschehen. Es mußte schneller amortisiert werden als es einem normalen Abschreibungsrhythmus entsprochen hätte. Nur dem ständig gewachsenen Bauvolumen wird es zugeschrieben, daß diese enorme Mechanisierung und Umgestaltung ohne größere Zusammenbrüche überstanden wurde.

Das Interesse für Baumaschinen ist nach wie vor groß. Ein Testfall für die Bausaison 1959 war die 6. Deutsche Baumaschinen-Ausstellung im März in München. Nicht nur die Erhöhung der Lohnkosten und der wieder zu erwartende Mangel an Fachkräften spielen eine Rolle; gehen auch von der technischen Entwicklung noch immer starke Anreize aus. Das Mischen von Beton ist längst weitgehend mechanisiert. Jetzt wird daran gearbeitet, auch die Beschickung der Mischer zu automatisieren. Auf vielen größeren Baustellen stehen Zementsilos, die mit dem Mischer so eng durch automatische Dosier- und Transporteinrichtungen verbunden sind, daß nur noch eine Aufsicht nötig ist. Die Beschickung mit Kies wird ebenfalls schon durch sogenannte Schrapper erleichtert. Mit ihrer Hilfe erreicht ein Mann etwa die gleiche Leistung wie bisher vier bis sechs Schaufler. Von den nordischen Ländern kommt als weiterer Schritt in dieser Entwicklung der industriell gefertigte mehrteilige Kiessilo. Er ist genauso mit automatischen Dosieranlagen und Fördereinrichtungen ausgestattet wie ein moderner Zementsilo. So ist zu erwarten, daß in einiger Zeit auch auf solchen Baustellen ein Mann genügt, um die gesamte Mischanlage zu bedienen. Seine Arbeit bestünde nicht mehr in schwerer körperlicher Leistung, sondern in der Überwachung einer automatischen Anlage.

Auf der Messe werden bereits teilautomatisierte Betonaufbereitungsanlagen zu sehen sein mit Schrägaufzugs-Waage, Schrapperanlage, Zementsehnende und Zementwiegeeinrichtung, mit Dosierwand und elektrisch pneumatisch gesteuerten Auslaufen.

Tendenzen der Arbeitserleichterung sind auch im Transport von Baustoffen zu erkennen. Die starke Zunahme von Turmdrehkränen zeigt schon, daß nicht nur den vertikalen Transportwegen Beachtung geschenkt wird, sondern auch den horizontalen. Nach Untersuchungen des Instituts für Bauforschung in Hannover gestatten jedoch erst Bauten von einer bestimmten Größe an – etwa von 18 Wohnungen – den wirtschaftlichen Einsatz von Kränen. Für kleinere Objekte sind ihre fixen Kosten zu hoch. Hier ist der Einsatzbereich der Aufzüge. Der Materialtransport in einer Ebene geschieht auf solchen Baustellen meist mit Karren, wobei die einrädrigen mehr und mehr von den zweirädrigen „Japanern“ verdrängt werden. Bei den „Japanern“ liegt die Last auf der Achse und nicht mehr zur Hälfte in den Händen des Transportarbeiters. Auch für den Transport von Steinen sind bereits brauchbare Karren konstruiert worden. Hier bahnt sich nun überhaupt eine umwälzende Neuerung an. Die Steine sollen nämlich künftig schon vom Werk in Stapeln geliefert werden. Wie Dr. Triebel, der Leiter des hannoverschen Instituts für Bauforschung, berichtet, wird in Holland daran gearbeitet, diese Stapel auch so zu normen, daß sie auf einfache Weise geteilt werden können. Der volle Stapel ist für den Schiffstransport gedacht, der halbe für den Kran und ein Viertel für Aufzug und Stechkarre.