In der westdeutschen Rundfunk- und Fernsehgeräteindustrie ist die Kette der Rekordjahre noch nicht abgerissen. 1956 überschritt der Produktionswert von Rundfunk- und Fernsehgeräten zum erstenmal die Milliardengrenze. 1957 stieg er weiter um rund 18 v. H. auf 1,234 Mrd. DM und 1958 konnte sogar eine Steigerung um 29 v. H. auf 1,615 Mrd. DM erreicht werden. Mit diesem Produktionswert steht die Gruppe Rundfunk und Fernsehen innerhalb der Elektroindustrie an erster Stelle.

Diese enorme Leistung des letzten Jahres ist fast ausschließlich der „Fernseb-Welle“ zu danken. Trotz der zeitweisen Beunruhigung des Marktes durch die teilweise und vorübergehende Aufhebung der Preisbindung hat auch in den ersten Monaten dieses Jahres der Absatz an Fernsehgeräten weiter zugenommen. Die Wachstumskurve ist zwar flacher geworden; aber die Produktionszahlen liegen über denen des ersten Quartals 1958. Für das gesamte Jahr 1959 ist in der Bundesrepublik eine Produktion von 1,8 Mill. Fernsehempfängern vorgesehen, das sind etwa 20 v. H. mehr als 1958. Maßgebliche Unternehmen äußern sich ebenfalls optimistisch und handeln in diesem Sinne. So heißt es im Geschäftsbericht des Philips-Konzerns Eindhoven, daß man für 1959 etwa denselben Umsatzanstieg wie 1958 (13 v. H.) erwartet. Und Telefunken baut in Hannover eine völlig neue Fabrik, um genügend Raum zu haben für eine getrennte Herstellung von Fernseh- und von Rundfunkgeräten.

Die Industrie hofft, daß die Messe – für Fernseh- und Koffergeräte ist sie der Neuheitentermin – im Zeichen eines wieder stabilisierten Marktes stehen wird. Die neuen Rabatte haben zwar nicht die Erwartungen aller Produzenten erfüllt, aber doch die Handelsspanne gesenkt. Dadurch wird sich der Konkurrenzdruck vor allem solcher Versandhäuser abschwächen, die eigene Geräte herstellen lassen. Offensichtlich ist es deren gestiegener Marktanteil gewesen, der manchen Produzenten veranlaßte, auf eine Senkung der Rabatte hinzuarbeiten. Von einer Überproduktion könne nicht geredet werden, wird in Herstellerkreisen betont. Bei einem Marktvergleich zwischen dem Jahresende 1958 und 1957 dürfe nicht übersehen werden, daß 1957 die Produktion der plötzlich gestiegenen Nachfrage nicht zu folgen vermochte, so daß in den ersten Wochen von 1958 noch ein Nachholbedarf abgedeckt werden mußte. Zum letzten Jahreswechsel habe jedoch ein ausreichendes Angebot vorgelegen.

Impulse sind auch von neuen Typen zu erwarteil, die wohl alle Hersteller auf der Messe dem Handel vorführen werden. Eine neue Abkürzung wird sich der Fernseh-Interessierte merken müssen: UHF; das bedeutet Fernsehgeräte mit ultrahohen Frequenzen. Alle neuen Fernsehgeräte werden so ausgestattet sein, daß sich jederzeit ein Zusatzgerät, eben der UHF-Tuner, einbauen läßt. Dieses Zusatzgerät gestattet einen Empfang im Bereich der Dezimeterwellen, auf denen die Ausstrahlung eines zweiten Programms zu erwarten ist. Bereits mit solchem Zusatzgerät ausgestattet ist jedoch vorerst nur ein kleiner Teil der neuen Apparate, weil die Industrie zweifelt, ob die Käufer jetzt schon bereit sein werden, gut 100 Mark mehr zu zahlen für ein Zusatzgerät, dessen Anwendung erst in Zukunft zu erwarten ist.

Dieses Freihalten von Platz im Gehäuse der neuen Geräte wird jedoch den Fernsehapparat nicht vergrößern. Im Gegenteil werden viele neue Apparate auffallend kleiner sein, weil die Bildröhre weiter abgewinkelt und damit verkürzt wird. Den Anfang machte vor einigen Jahren die um 70 Grad abgewinkelte Röhre; dann folgte die Abwinklung um 90 Grad und jetzt die um 110 Grad.

Das gute Geschäft mit Fernsehgeräten ist also geringe Abschwächung zu beobachten ist. In der Menge wurden 1958 sogar nur zwei v. H. weniger Rundfunkgeräte hergestellt als 1957 (1957 = 3,85 Millionen, 1958 = 3,78 Millionen). Zu erwarten war freilich die Fortsetzung der schon seit etwa zwei Jahren zu beobachtenden Tendenz: hin zu Geräten niedriger Preisklassen. ör.