Neu ist in Deutschland die geplante Selbstbeteiligung der Patienten. Laut Referenten-Entwurf soll der Versicherte künftig für die ersten sechs Wochen der Krankheit

  • für jede ärztliche Inanspruchnahme 1,50 DM zahlen (wirtschaftlich Schwächere die Hälfte),
  • sich an den Kosten der Arzneimittel mit 1 bis 3 DM je Verordnung beteiligen,
  • zu jedem Tag Krankenhausaufenthalt mit einem Betrag von 1 bis 3,30 DM beitragen, soweit er sein Einkommen weiter bezieht.

Diese Selbstbeteiligung soll den Krankenkassen helfen, die Mittel einzusparen, mit denen sie die geplanten Verbesserungen finanzieren müssen. Die Verbesserungen sollen etwa 350 bis 500 Millionen DM jährlich kosten. Die Einsparungen durch die Selbstbeteiligung dürften allerdings höher, vielleicht doppelt so hoch sein. Trifft das zu, dann sollen die heute überhöhten Beitragssätze wieder gesenkt werden.

Zugleich spielt aber die Selbstbeteiligung auch schon in den dritten Komplex, die Verhinderung des Mißbrauchs der Krankenversicherung, hinein. Sie soll dem Versicherten nämlich klarmachen, daß jede Leistung Geld kostet – und in diesem Falle nicht nur Geld, das man ihm vom Lohn abgezogen hat, sondern das er selbst in der Tasche hat und über das er frei verfügen kann.

3. Unebenheiten des sog. „Lohnfortzahlungsgesetzes“ werden geglättet. Der vertrauensärztliche Dienst wird ausgebaut.

Die beiden Karenztage zu Beginn einer Arbeitsunfähigkeit werden künftig auch dann nicht nachgezahlt, wenn die Krankheit länger als 14 Tage dauert. So wird es bilanziell reizlos, Krankheiten auszudehnen. Auch soll das Krankengeld künftig nicht mehr nach Kalendertagen, sondern nach Arbeitstagen berechnet werden; es lohnt sich also nicht mehr, sich am Freitagabend arbeitsunfähig zu melden, um schon von Montag an Krankengeld in Empfang nehmen zu können. (Nach dem Lohnfortzahlungsgesetz Dreiviertel aller Krankmeldungen am Wochenende!) Mußte Paul Schulze bislang seine Arbeitsunfähigkeit erst innerhalb sieben Tagen melden, soll er dies künftig schon binnen zwei Tagen. Die Kontrolle durch den Vertrauens- oder Beratungsarzt kann also notfalls bereits am dritten Tage einsetzen.

Der neue ,,beratungsärztliche Dienst“ ist selbständig. Das ist vorteilhaft; denn bisher hörte man Klagen, daß die Ersatzkassen, die in der Regel erst nach sechs Wochen Krankengeld zu zahlen brauchen, die Vertrauensärzte auch erst nach sechs Wochen mobilisierten – denn bis zu diesem Zeitpunkt mußte ja nur der Arbeitgeber herhalten.