Damit glaubten die Referenten, die Frage des Bundestagspräsidenten Dr. Gerstenmaier auf dem CDU-Parteitag in Kiel, "ob der soziale Rechtsstaat seinen Bürgern das letzte Risiko der wirtschaftlichen, der sozialen Existenz abnehmen muß, indem er schließlich jedem ohne Ansehen seiner Leistungen oder seines Leistungsvermögens soziale Sicherheit garantiert", mit einem klaren Nein beantwortet und der Selbstverantwortung wieder die Tür geöffnet zu haben.

Um die Selbstverantwortung eines jeden zu wecken, bedarf es allerdings außer eines Gesetzes auch noch des guten Beispiels. Der Walzwerker eines großen Hüttenwerkes, christlicher DGB-Gewerkschaftler und Betriebsratmitglied, steuerte zu unseren Gesprächen zunächst nichts anderes bei als ein breites Grinsen. Schließlich zündete er sich eine Zigarette an, zog die Stirn kraus und sagte: "Was hackt ihr denn dauernd auf den Arbeitern herum? Natürlich feiert Paul Schulze krank. Und manchmal macht er auch auf Kosten der Kasse zehn Tage blau. Das wissen wir doch alles. Glauben Sie ja nicht, daß mir das paßt. Es sind ja unsere Groschen, die dabei drauf gehen. Aber soll ich Ihnen mal sagen, wie unsere Leute, darüber denken? Da treffe ich letztens einen, der wird mit schöner Regelmäßigkeit alle sechs Monate krank – 15 Tage lang, auch ganz regelmäßig: Mensch, sage ich zu ihm, da stimmt doch was nicht. Kannst du mir doch nicht erzählen! Da sagte er: Solange uns die Herren oben, die in Bonn, die Direktoren und auch die Funktionäre übers Ohr hauen, dicke Spesen machen, sich bestechen lassen und Leihwagen fahren, solange werde ich doch mal ab und zu feiern dürfen. Kostet bei mir nicht 10 000, nicht 1000, sondern genau 128 Mark pro Woche...