Die Abschlüsse der Montangesellschaften für das Geschäftsjahr 1957/58 sind nicht so uniform wie ihre Dividenden. Bei der Hoesch-Werke AG, Dortmund, war die Ertragslage im vergangenen Geschäftsjahr mindestens so stabil wie die wieder 8prozentige Dividende. Hoesch gehört zu den wenigen großen Montangesellschaften ohne Großaktionär; das Grundkapital von 375 Millionen DM ist breit gestreut. Nach einer Umfrage, die im Februar dieses Jahres abgeschlossen war, liegen 327,6 Mill. DM – 12,64 v.H. wurden nicht erfaßt – in Händen von knapp 41000 Aktionären. Dabei entfällt der größte Teil des Kapitals mit 59,2 Mill. DM auf etwa 30 000 Aktionäre mit Stücken von 100 bis 5000 DM. Der nächstgrößere Anteil von 57 Mill. DM liegt bei 289 Aktionären mit Aktien von insgesamt 100 000 bis 500 000 DM. Nur 14 Hoesch-Aktionäre besitzen nach der Umfrage mehr als 1 Mill. DM, während der weitaus größte Teil Aktien im Werte bis zu 50 000 DM hält. Dennoch wird die Hoesch-Verwaltung, die schon im vergangenen Jahre im Feuer der Opposition stand, auf der Hauptversammlung der Gesellschaft mit einer geschlossenen Kritik der Aktionäre zu rechnen haben. Der zu Beginn dieses Jahres gegründete Verein der Hoesch-Aktionäre, dem jetzt die Schutzvereinigung ihre Organisation zur Verfügung gestellt hat, hat sich bereits gerührt. Der Verein fordert, daß die Vorschläge zur Gewinnverwendung mit ihm abgestimmt werden, ehe die Verwaltung Beschlüsse faßt, die in der HV nicht mehr revidiert werden können. Mit welchen Abstimmungsergebnissen sich die Vereinigung legitimieren kann, wird die HV am 29. April 1959 zeigen. Der Zusammenschluß der Aktionäre nur eines Unternehmens könnte immerhin ein recht wirkungsvolles Vorgehen zur Folge haben, das bei Hoesch auch noch deswegen sinnvoll ist, weil durch das Fehlen eines Großaktionärs nicht von vornherein eine Majorität für die Verwaltung vorhanden sein dürfte.

Im vergangenen Geschäftsjahre ist die Hoesch Werke AG im Vergleich zu anderen Montanunternehmen recht gut über die Runden gekommen. Die Rückschläge, die Hoesch in Kauf nehmen mußte, hielten sich in verhältnismäßig engen Grenzen. Das gilt sowohl für die Produktionsseite als auch für die Ertragsrechnung. Wie Vorstandsmitglied Dipl.-Ing. E. h. Willy Ochel betonte, habe sich der Verbund gerade in dem Jahr der Stahlflaute segensreich ausgewirkt. Die vorgelegten Zahlen beweisen, daß die Einbußen in der Grundstoffproduktion bei Kohle und Stahl in der Verarbeitungsstufe des Konzerns nahezu ausgeglichen werden konnten.

Insgesamt hat das Umsatzvolumen der Hoesch-Gruppe im Berichtsjahre mit 2,36 (2,44) Mrd. DM nur gering eingebüßt. Davon entfielen auf den konzerninternen Umsatz 744,29 (793,2) Millionen DM. Der Exportanteil des Fremdumsatzes stieg leicht auf 16 (15) v.H. Hierbei ist die Steigerung den verarbeitenden Töchtern zu danken, deren Auslandgeschäft teilweise erfreulich zunahm. Für die Hütte allein war das wertmäßige Exportgeschäft mit 72,01 (74,58). Mill. DM leicht rückläufig. Aber bei diesem Unternehmen steht von jeher das Inlandgeschäft höher im Kurs als bei anderen Werken an der Ruhr, so daß sich auch der im vergangenen Jahr auf dritten Märkten zu verzeichnende Preiseinbruch, der damit auf einen kleineren Anteil des Gesamtversands beschränkt blieb, nicht so nachteilig auswirken konnte.

Dafür hatte die Flaute auf den Weltmärkten für Hoesch aber auch freundliche Aspekte. Die Rohstoffkosten sind auf 273,9 (323,8) Mill. DM und die Brennstoff kosten auf 159,2 (166,6) Millionen DM zurückgegangen. Damit stellt sich der Rohstoffeinsatz je Tonne Rohstahl auf 154,08 DM. Das ist erheblich weniger als andere Hüttenwerke nach ihren veröffentlichten Angaben aufzuwenden haben.

Seit der Neugründung im Jahre 1951 sind im Hoesch-Bereich 1,1 Mrd. DM investiert worden; davon konnte immerhin die stattliche Summe von 0,9 Mrd. DM abgeschrieben werden. Im Berichtsjahre, das die störungsfreie Inbetriebnahme der neuen Breitbandstraße gebracht hat, ist der Investitionsaufwand mit 110,1 (203,4) Mill. DM zwar erheblich niedriger als im Vorjahre gewesen; das liegt aber daran, daß die große Aus- und Aufbauphase im Hoesch-Konzern beendet ist. Die Rohstahlkapazität wurde mit 2 Millionen Jahrestonnen angegeben. Wie Vorstandsmitglied Ochel erklärte, hat die Verwaltung die Baisse intensiv genutzt, um Rationalisierungen durchzuführen, „zu denen man in der Hochkonjunktur nicht kommt“. Nachdem die angestrebte Kapazität nunmehr so gut wie erreicht ist, sollen jetzt die Herstellungskosten je t Rohstahl gesenkt werden. Diese Mitteilung dürfte die Hoesch-Aktionäre besonders interessieren, da sie Aussichten auf bessere Erträge und damit auf bessere Dividenden eröffnet oder mindestens eröffnen sollte. In der gesamten Montanindustrie, und das gilt auch für die Hoesch-Gruppe, sollte nunmehr nach dem im großen und ganzen beendeten Ausbau der Werke die Stunde schlagen, in der sich die hohen Investitionen der vergangenen Jahre auch für die Aktionäre der Gesellschaften verzinsen müssen.

Auch im laufenden Geschäftsjahr scheint die Hoesch-Gruppe zu den Spitzenreitern der Montanindustrie zu gehören. Hoesch rückt wieder in die Sphäre der Vollbeschäftigung ein. Es ist also kein Wunder, daß sich die Hoesch-Verwaltung, nachdem die akuten Marktsorgen zunächst überwunden scheinen, nunmehr den letzten Vorbereitungen zur Rückentflechtung widmen wird.

Auch die Hoesch-Gruppe wird noch im Laufe d. J. „bis zum Auslaufen des Umwandlungsgesetzes am 31. Dezember 1959“ eine „Konzernstraffung“ durchführen. Sie ist schon aus Wettbewerbsgründen notwendig. An sich ist Hoesch – wie die Verwaltung erklärt – seit der Neugründung der Gesellschaft mit dem Dezentralisationsprinzip sehr gut gefahren. Es hätte auch keine Veranlassung bestanden, so wurde in Dortmund erklärt, an der Konstruktion des Konzerns etwas zu ändern, aber die „dauernde Diskussion um Organwirtschaftsverträge“ habe die Verwaltung zu diesem Schritt gezwungen, um „eventuelle Schäden von dem Unternehmen abzuwenden.“