Hannover ist der Ausstellungsplatz für den Maschinenbau. Es sind zwar nicht alle 5 Fachzweige des westdeutschen Maschinenbaus vertreten – die Werkzeugmaschinen stellen zum Beispiel schon seit Jahren gesondert und im europäischen Rahmen aus, die Textilmaschinen folgen auf diesem Wege – aber von den rund 3500 Maschinenfabriken Westdeutschlands sind fast 40 von Hundert in Hannover vertreten. In zunehmendem Maße wird auch das Angebot internationaler. Von den 1399 Ausstellern des Maschinenbaus sind 287 ausländische Firmen (im Vorjahr waren es 228). In einzelnen Zweigen liegt der Anteil der ausländischen Aussteller sogar bei 20 v. H. und mehr, zum Beispiel bei den Bau-, Baustoff- und Straßenbaumaschinen, in der Halle der Büroindustrie und bei den Herstellern von Holzbearbeitungsmaschinen.

In der gesamten Industrie spielt der Maschinenbau nicht mehr eine so ausgesprochene Favoritenrolle wie in den Jahren der Hochkonjunktur vor 1957. Die Produktion ist 1958 in der Menge nur noch sehr gering gestiegen, nach dem Wert um 5 v.H. auf 18,7 Mrd. DM. Trotzdem gibt es noch immer einige Fachzweige, deren Produktion beträchtlich wächst. Dazu gehörten im letzten Jahr vor allem Kältemaschinen (mit einer Produktionszunahme um 26 v. H.), Maschinen für die Verarbeitung von Gummi und plastischen Massen (24 v. H.), Hütten- und Walzwerkseinrichtungen (22 v. H.), Prüfmaschinen (13 v. H.), Kraftmaschinen (12 v. H.) und Bau- und Baustoffmaschinen mit ebenfalls 12 v. H.

Der Produktionswert von Maschinen für die Verarbeitung von Gummi und plastischen Massen stieg von 152 Mill. DM 1956 auf 180 Mill. DM 1957 und im letzten Jahr weiter auf 223 Mill. DM.

Die 62 Aussteller dieser Branche in Hannover erwarten, daß sich diese expansive Entwicklung auch noch 1959 fortsetzen werde, da ja in der Weiterentwicklung der Kunststoffe noch kein Abschluß zu erkennen sei. Während die Messen der letzten Jahre in diesem Zweig des Maschinenbaus viele neuentwickelte Maschinen zeigten, dürfte die Messe diesmal im Zeichen der Automation stehen. Zusammen mit der Elektrotechnik hat der Maschinenbau auch hier Konstruktionen entwickelt, die einen sehr weitgehenden automatischen Ablauf der Fertigung ermöglichen. Da Hannover alle Voraussetzungen bietet, auch große Maschinen im Gewicht von hundert und mehr Tonnen aufzustellen, wird auf der Messe alles zu sehen sein, vom schwersten Kalander über Mischer, Maschinen für Glasfaser- und Polyesterkunststoffe, Spritzgußmaschinen bis hin zu Hochfrequenzschweißgeräten und Bedruckmaschinen.

Die 214 Aussteller von Holzbearbeitungsmaschinen kommen nicht mit solchen optimistischen Erwartungen nach Hannover. Der Wert der westdeutschen Produktion an Holzbearbeitungsmaschinen lag 1958 nur noch um 1 v. H. über dem Wert von 1957. Dieser Fachzweig hat einen hohen Exportanteil. Zu der unterschiedlichen Entwicklung im In- und Auslandsgeschäft kamen auch noch Unterschiede bei den einzelnen Maschinenarten und zwangen fortlaufend zur Anpassung. Mehr und mehr setzt sich unter den Herstellern von Holzbearbeitungsmaschinen die Ansicht durch, daß der Ersatz der alten Maschinen durch gleichartige neue die Kapazitätsausnutzung der Maschinenfabriken nicht mehr gewährleiste. Nur die Konstruktion wesentlich leistungsfähigerer Maschinen, die spürbar zur Rationalisierung beitragen, könne die Kunden zu einem schnelleren Maschinenaustausch veranlassen. Die neue Parole ist: Ablösung der Handarbeit durch Zusatzapparate für vorhandene Maschinen, und Zusammenfassung von automatischen Arbeitsgängen in neuen Baumustern.

Solche erheblichen Unterschiede in der jüngsten Entwicklung wie zwischen den hier als Beispiele angeführten Maschinen für die Verarbeitung von plastischen Massen und Holzbearbeitungsmaschinen müssen bei allen Daten über den gesamten westdeutschen Maschinenbau berücksichtigt werden. Die nur noch geringe Wachstumsrate im gesamten Maschinenbau ist vor allem auf eine Abflachung des Exportanstiegs zurückzuführen. Die Umsatzerhöhung von 1956 auf 1957 um reichlich 8 v. H. beruhte weitgehend auf dem damaligen Anstieg der Maschinenausfuhr um rund 21 v. H. auf 7,1 Mrd. DM. Dagegen ist die Ausfuhr von 1957 zu 1958 nur noch um 9 v.H. auf 7,7 Milliarden DM (einschließlich Westberlin) gestiegen. Damit blieb zwar der Maschinenbau im Export führend vor dem Fahrzeugbau, der Chemie und der eisenschaffenden Industrie, aber die Konjunkturempfindlichkeit des Maschinenexports trat doch deutlich zutage. Sie zeigte sich nicht bloß in der Abschwächung der Lieferungen, sondern vor allem im Zurückbleiben der neuen Auslandsabschlüsse. Bei den Ausfuhr lieferungen kamen noch Auftragsreserven zur Geltung. Die neuen Abschlüsse im Export blieben – über das ganze Jahr gerechnet – um 12 v. H. hinter dem Vorjahrswert zurück.

Wie der „Verein Deutscher Maschinenbau Anstalten“ dazu mitteilt, hätte das Auftragsvolumen aus dem Ausland um 1,6 Mrd. DM größer sein müssen, wenn es mit den Lieferungen hätte Schritt halten wollen. Die Bestellungen aus den OEEC-Ländern verminderten sich um reichlich 14 v. H., die aus den Vereinigten Staaten um über 13 v. H., aus Asien um 11,5 v. H. und die aus Südamerika sogar um reichlich 25 v. H. Nur von den Kontinenten Afrika und Australien kamen im vergangenen Jahr vermehrte – teilweise sogar erheblich mehr – Aufträge, die sicher manche Firma ermutigen, die Verkaufsbemühungen in diesen Wirtschaftsräumen zu verstärken.