Der Wettbewerb wird härter. Wer im Rennen bleiben will, muß sich anstrengen. Das gilt auch für so ein großes Unternehmen wie die Badische Anilin- & Sodafabrik AG, Ludwigshafen, der allerdings auch heute noch der Wind einer guten Konjunktur in den Segeln liegt. Sie vermochte ihren Umsatz im Geschäftsjahr 1958 um knapp 8 v. H. auf 1,93 Mrd. DM zu erhöhen. Das ist die Frucht einer systematischen Arbeit, die nicht zuletzt darauf beruht, daß die BASF sehr sorgfältig den Raum studiert hat, in dem sie ihr Geschäft sucht. Professor Wurster (Vorstandsvorsitzender) versuchte dies in seinen Ausführungen über die Ziele der Forschung und den weiteren Ausbau des Werkes zu verdeutlichen. Die BASF ist ein Werk, das die Synthese aus einfachen Bausteinen betreibt. Ausgangspunkte ihrer Produktion sind Stoffe niederen Ranges, sie werden zu hochwertigen Endprodukten aufgebaut. Dabei verfolgt die BASF das Prinzip, die Herstellung von Fertigerzeugnissen an ihre Abnehmerindustrien abzugeben, sobald hierfür die Voraussetzungen vorliegen.

Die Konsequenz ist der Aufbau eines technischen Beratungsdienstes für die Verarbeiter, d. h. für die Kundschaft des Unternehmens. Es ist klar, daß ein derart organisiertes und nach solchen Prinzipien ausgerichtetes Unternehmen dynamisch sein muß. Seinen äußeren Ausdruck findet dies in der laufenden Änderung der baulichen Anlagen. Das Werk Ludwigshafen, das seine in den Kriegs- und Nachkriegsjahren erlittenen Wunden ausgeheilt hat und heute seine Fabrikation in modernsten Anlagen betreibt, wird in wenigen Jahren einen gänzlich neuen Anblick bieten. Die Planungen sehen eine Erweiterung des Fabrikgeländes um das Mehrfache vor. Die Strukturänderung, der die BASF unterliegt, kommt vielleicht noch deutscher darin zum Ausdruck, daß sie ihr wichtigstes Ausgangsprodukt Kohlenstoff heute nur noch zu 60 v. H. aus Kohle, aber zu 40 v. H. aus Erdöl, Erdgas usw. gewinnt. Ludwigshafen ist inzwischen zu einem sehr großen Petrochemiewerk geworden. Das zeigen auch die Ausführungen im Geschäftsbericht über die Beteiligungen, unter Jenen heute die Rheinischen Olefinwerke GmbH in Wesseling eine hervorragende Stellung einnehmen. Dieses neue Werk gehört je zur Hälfte der BASF und der Deutschen Shell AG in Hamburg.

Die Hochdruck-Polyäthylen-Anlage wurde weiter ausjebaut, die erhöhte Produktion kommt demnächst auf den Markt. Die Niederdruck-Polyäthylen-Anlage ist im Bau, eine Produktionsaufnahme wird noch für dieses Jahr erwartet. Die „erste“ Beteiligungsgesellschaft ist nach wie vor die Gewerkschaft Auguste Victoria. Der Steinkohlenbergbau konnte dort beträchtlich geweigert werden. Die Jahresförderung stieg um 10,5 v.H. im über 2 Mill. t. Die Steinkohlenförderung wurde praktisch restlos von Ludwigshafen übernommen. Man hat dort mit der Kohle sehr vorsichtig disponiert, daher braucht man sich über Ablösung von US-Kohle-Importverträgen keine Sorge zu machen. Das geschäftliche Ergebnis der Gewerkschaft hat sich etwas gebessert, doch arbeitet sie immer noch mit roten Zahlen. Die Verlustquelle liegt vor allem in dem Erzbergbau der Gewerkschaft.

Ein so großes Unternehmen wie die BASF muß selbstverständlich seinen Markt im In- und Ausland finden. Etwa 37 v.H. des Umsatzes fallen auf das Auslandsgeschäft. Diesen Anteil hält man – einige Punkte nach oben oder unten haben nichts zu sagen – für optimal. Die Verteidigung des Auslandsabsatzes ist heute schwierig. Die Auslandsabsatzorganisation der BASF ist den Nachkriegserfordernissen angepaßt. Dort, wo Nachfrage nach BASF-Produkten besteht oder erwartet werden kann, wo sich aber ein Transport über lange Entfernungen nicht lohnt, errichtet man Produktionsanlagen, vielfach in Gemeinschaft mit Unternehmen des jeweiligen Landes. So wurde U. a. mit der sehr bedeutsamen und leistungsfähigen Dow Chemical Company in Midland/USA auf der Basis 50:50 die Dow Badische Chemical Company gegründet. Es wurde eine Anlage zur Herstellung von chemischen Erzeugnissen für den amerikanischen Markt auf der Grundlage von Acetylen geschaffen. Der Kapitalbedarf beträgt vorläufig 6 Mill. US-Dollar.

Dynamik, so wie sie das Wesen der BASF ausmacht, kostet Geld. Es muß laufend investiert werden. Im vergangenen Jahr waren es rund 250 Mill. DM, im laufenden und kommenden Jahr werden gleiche Beträge gebraucht. Einen wesentlichen Teil bringen die Abschreibungen. 1958 waren es über 170 Mill. DM. Dank des Systems der progressiven Abschreibungen und der Tatsache, daß neue große Anlagen erhebliche Abschreibungen bringen, wird man künftig mit etwa 200 Mill. DM rechnen können, womit man dem Ideal eines Gleichgewichtes zwischen Abschreibungen und Investitionsaufwand näherkommt. Immerhin bleibt vorläufig eine Spanne von 50 Mill. DM im Jahr, die anderweitig gedeckt werden muß. In diesem Jahre will die BASF nicht cn den Kapitalmarkt herantreten; ihn wird man zur gegebenen Zeit mit größeren Beträgen beanspruchen. Vorerst hilft man sich mit längerristigen Bankdarlehen. Dividende für 1958: 14 (12) v. H.

Die Bilanz selbst schließt per 31. Dezember mit 1,9 Mrd. gegenüber 1,8 Mrd. DM im Vorjahr ab. Dies entspricht dem erhöhten Umsatz. Sie bietet heute keine außerordentlichen Probleme mehr. Die Periode der inneren finanziellen Konsolidierung ist im wesentlichen auch bei der BASF abgeschlossen. Von ihren langfristigen Verbindlichkeiten wird die 4 1/2-v.-H.-Anleihe von 1939 im Sommer zur Rückzahlung fällig. Es handelt sich hierbei um 10 Mill. DM. Die 8-v.-H.-Obligation von 1956 ist erst 1961 kündbar. Hier ändert sich also vorläufig nichts. W. R.

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