In der Halle „Chemie und Kunststoffe“ bilden die Kunststoff-Verarbeiter und die Lackindustrie Schwerpunkte. Für die zahlreiche Neuheiten anbietenden 35 Firmen der kunststoffverarbeitenden Industrie wird die Messe auch zu einem Test, ob die Stagnation im Export überwunden ist. Die Steigerung des Gesamtumsatzes im letzten Jahr um 20 v. H. auf rund 1,9 Mrd. DM ist im wesentlichen der anhaltend günstigen Inlandkonjunktur zu danken. Sie wurde auch durch neue Verwendungsmöglichkeiten für Kunststofferzeugnisse gefördert. Obwohl sich die Wachstumsrate deutlich abgeschwächt hat, liegt eine Umsatzsteigerung von 20 v. H. immer noch weit über der Produktionsentwicklung in der gesamten Industrie.

In einigen Bereichen ist das Vordringen der Kunststoffe noch immer stürmisch zu nennen. Die Produktion von Schläuchen, Rohren und Profilen stieg auf etwa 145 Mill. DM; das sind über 50 v. H. mehr als 1957. Überdurchschnittlich zugenommen (um etwa 23 v. H. auf rund 200 Mill. DM) haben auch die Verpackungsmittel aus Kunststoff. Und um annähernd ein Drittel wuchs 1958 die Produktion an Schaumstofferzeugnissen. Kunststoffrohre dringen auch beim Bau von Wasserleitungen vor.

Beachtung dürften auf der Messe die Verbundfolien finden. Es sind neben der Weiterentwicklung von Verbundfolien aus Zellglas mit Polyäthylen für feuchtigkeitsempfindliche Füllgüter auch interessante Neuentwicklungen wie die Verbundfolie Hostaphan mit Polyäthylen angekündigt.

Immer vielseitiger werden auch glasfaserverstärkte Kunststoffe verwandt. Auf der Messe sind Polyester-Lichtplatten und -bahnen für die Verwendung bei Bauten ausgestellt. Zum erstenmal wird auch eine sechs Meter lange, in einem Stück gefertigte Seilscheibe aus dem vielseitigen Acrylglas gezeigt. Interesse bei den Architekten dürfte ein feuersicheres Dekorationsgewebe finden, das ebenfalls verspinnbare Glasfasern enthält.

Auch in der Lackindustrie tragen immer wieder neue Basisstoffe aus der Kunstharz-Chemie zu Qualitätsverbesserungen bei. So hat die Verarbeitung von Polyesterlacken weitere Fortschritte gemacht. Neuentwickelt vurden weiß- oder buntfarbig pigmentierte Hochglanz-Polyesterlacke. Weiterentwickelt wurde auch das elektrostatische Spritzen. Es gibt Lacke, die das elektrostatische Spritzen auf Holz ermöglichen. Hinzuweisen ist auch auf eine Glasur, die schon bei Raumtemperatur trocknet und eine emailleharte, stoß- und schlagfeste Oberfläche ergibt.

Von einem starken internationalen Preisdruck berichten nicht nur die Kunststoff-Verarbeiter, sondern auch die Kunststoffhersteller. Daß der Wertzuwachs im Chemiebereich wesentlich langsamer zunimmt als die Mengenproduktion, wird in erster Linie auf eine Minderung der Verkaufserlöse, insbesondere bei Kunststoffen zurückgeführt.

Die Kunststoffeinfuhren in die Bundesrepublik sind 1958 um nicht weniger als 37 v. H. auf 175 Mill. DM gestiegen. Von deutschen Kunststofferzeugern werden diese Importe als „erstaunlich hoch“ bezeichnet. Ein Teil der ausländischen Konkurrenz produziere unter besseren Voraussetzungen. „Bei manchen Offerten, zum Beispiel neuerdings aus Japan, besteht sogar der Verdacht, daß die Exportpreise unter den Gestehungskosten liegen“, schreiben die „Chemie-Nachrichten“. Trotzdem rechtfertigt ein Gesamtüberblick keinen Pessimismus; denn der westdeutsche Kunststoffexport liegt noch immer mit rund 560 Mill. DM wesentlich über dem Import. Die gesamte westdeutsche Kunststoffproduktion nahm 1958 um rund 15 v. H. zu, der Export um 16 v. H. Das ist zwar nicht mehr die gleiche Zuwachsrate wie von 1956 auf 1957, aber die Kunststoffe haben ihre Position als zweitwichtigste Exportsparte der Chemie festigen können.