Das erfolgreiche Broadway-Stück „Once More With Feeling“ wird jetzt in Paris mit Yul Brynner in der Hauptrolle eines Dirigenten verfilmt. Der Autor des Stückes und des Drehbuches ist Harry Kurnitz, ein Amateurmusiker, der den Leuten vom Monseigneur-Kabarett ab und zu ein paar Tausend Franken Trinkgeld gibt, um bei den Geigern mitfiedeln zu dürfen.

Mister Kurnitz hat sein Leben lang die verschiedenen Dirigenten studiert und erzählte uns darüber: ,,Der Dirigentenberuf ist diesseits des Eisernen Vorhangs der einzige, in dem ein Mensch absolute Gewalt über seine Mitmenschen erreichen kann. Jeder Dirigent hat einen Diktatorkomplex und jeder Diktator hat wahrscheinlich einen Dirigentenkomplex. Wenn nur Chruschtschow, Tito, Franco, Nasser und Trujillo Sinfonieorchester dirigierten, der Welt wäre viel Leid und Wehe erspart geblieben.“

„Ist es nicht möglich, daß einer zwar ein guter Dirigent, aber kein Diktator ist?“

„Nein. Die Musiker lieben zwar die freundlichen Dirigenten. Doch – und hier liegt der Haken – spielen wollen sie nicht unter ihnen.“

Mister Kurnitz sagte, daß die klassische Musik in den letzten Jahren mehr und mehr einen gewissen Prestigewert gewonnen habe. Selbst solche Leute, die nie klassische Musik hören, sprechen gern darüber. Minister Kurnitz arbeitet zur Zeit an einem Buch, mit dem er jenen Leuten unter die Arme greifen will – damit sie sich künftighin noch besser an den einschlägigen Tischgesprächen beteiligen können.

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„Was einen Menschen besser charakterisiert als alles andere, sind die Komponisten, über die er spricht. Die besten sind selbstredend entweder die ganz alten oder die ganz neuen. Einer, der an Stelle von Beethoven Vivaldi aufs Tapet bringt – das ist bestimmt einer, den man im Auge behalten muß.“