Von Martin Beheim-Schwarzbach

Nebel und Gischt... Man gestatte bitte dem Schreiber dieser Zeilen eine von ihm selber handelnde Bemerkung vorweg. Ihm ist, wenn er sich gelegentlich über gewisse niederdeutsche poetische Laster beklagte, schon erwidert worden: Na, und du? Es ist wahr, er hat ihnen in früheren Büchern auch gefrönt. Aber er hat wieder und wieder versucht, bald ohne, bald aber auch mit Erfolg, sich aus ihnen zu etwas Lichterem und Leichterem herauszuschälen. Jedenfalls braucht er sich deswegen nicht hemmen zu lassen, seine Meinung zu sagen.

Schünemanns Hausbücher bekennen sich zur spezifisch norddeutschen Erzählkunst“, in deren Kennzeichnungen Vokabeln und Begriffe wie „Schlichtheit“, „Schwerblütigkeit“, „weite Ebene“, „Nebel und Gischt“ mit Vorliebe geistern, indessen mit Ausdrücken wie Humor oder Leichthändigkeit sehr gespart wird. Das ist ein Tatbestand, der zu dieser Landschaft und ihrem Menschenschlag gehört und es sie (und ihn) in der Kunst, namentlich der Kunst des Erzählens, schwer haben läßt.

Das läßt sich besonders an dem hochbegabten Epiker Ludwig Tügel und in etwas minderem Maße an dem viel einfacheren August Hinrichs studieren, die je in einem stattlichen Band der „Schünemann’schen Hausbücher“ (was sind eigentlich Hausbücher vertreten sind:

Ludwig Tügel: „Die Dinge hinter den Dingen“, Phantastische Erzählungen; Carl Schünemann Verlag, Bremen; 263 S., 9,80 DM.

August Hinrichs: „Schwarzbrot“, Ausgewählte Erzählungen; Carl Schünemann Verlag, Bremen; 163 S., 9,80 DM.

Die Tügelschen Erzählungen mit diesem rührend ungeschickten Sammeltitel werden erstmalig veröffentlicht. Es sind ihrer drei: „Die Dinge hinter den Dingen“, „Die junge Frau“ und „Leere Hände“. Es dürfte eigentlich im bloßen Begriff der Erzählkunst liegen, daß sie nicht (allzu) anstrengend sein darf, und sei sie noch so tiefsinnig, was sie aber hier keinesfalls ist. Sie ist einfach neblig, und obendrein stilistisch sehr pretentiös. Aus der Handlung wird man schlechthin nicht klug, es ist seitens der handelnden und geschwollen redenden Figuren ein tappendes Rätselraten darum, was eigentlich los ist, und wieviel mehr noch seitens des Lesers.