Im Strack-Verfahren platzten alle Legenden

Von Robert Strobel

Bonn, im April

Die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Bonn hat das Urteil im Strack-Prozeß gesprochen: Botschafter Blankenhorn wurde wegen vorsätzlicher falscher Anschuldigung in Tateinheit mit übler Nachrede zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten verurteilt, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird. Professor Hallstein wurde freigesprochen.

Damit ist dieser Prozeß der widerlegten Legenden, wenigstens im Bonner Landgericht zu Ende. Seltsam waren seine Ursachen miteinander verschlungen: Intrigen, Irrtümer und Fehler, große und kleine Rivalitäten und menschliche Schwächen. Wie war es zu dieser gespenstischen Auseinandersetzung der aktenbewehrten Akteure im Gerichtssaal gekommen – zu einer Auseinandersetzung, die im Grunde keiner wollte?

Der Appell Stracks an den Staatsanwalt mit seinem zum Teil stark verfälschten weiten Echo sei ein Verstoß gegen die Staatsräson, sagen die einen. Der Bundeskanzler habe richtig gehandelt, als er seinerzeit die Aussagegenehmigungen und die Aktenvorlage verweigerte. Andere wiederum meinen, die Gerechtigkeit, die sich um das Ansehen der Person nicht zu kümmern habe, und die Unabhängigkeit der dritten Gewalt hätten hier einen begrüßenswerten Erfolg errungen.

Wir, die wir wie viele andere mißtrauisch sind gegen den Appetit der Staatsräson und nicht leicht zu begeistern durch Gerechtigkeitstriumphe, hielten es seit Jahren für ein Gebot der politischen Delikatesse, das peinlich Kleinliche, das hier durch zwei miteinander um ihre Kompetenzen ringende Ministerien brodelte, rechtzeitig mit einer billigen Regelung zuzudecken, anstatt es den Blicken der Öffentlichkeit auszusetzen.