Es war einmal vor sechs Jahren, am 17. Juni, da erhoben sich in der Zone erst einzelne, dann immer mehr und mehr Arbeiter und versuchten, das Joch der Funktionäre von Ulbrichts klassenloser Knechtschaft abzuschütteln. Viele von ihnen wurden verhaftet und verschleppt.

Einmal im Jahr, einmal an einem der 365 Tage, da denken wir an sie, die ihre Freiheit verloren, und die noch heute hinter den Mauern der Gefängnisse schmachten. Denken wir wirklich an sie?

Man möchte daran zweifeln, wenn man liest, daß der Landesverband des Gaststätten- und Hotelgewerbes in Nordrhein-Westfalen „stärkste Bedenken“ gegen einen „stillen Feiertag“ erhoben hat. Ein stiller Feiertag (ohne öffentliche Vergnügungen) werde „schwere wirtschaftliche Folgen“ haben, so hieß es drohend. Schwere wirtschaftliche Folgen, mit unheilkündender Grabesstimme, die Stiernacken traurig gesenkt, so wird dieses Bedenken vorgetragen – schlimmere Schicksalsschläge gibt es offenbar nicht. Dies ist der Superlativ aller Leiden und patriotischen Gefühle: einige Tonnen Bier und einige Nettogewinne weniger.

In der östlichen Hälfte unseres Vaterlandes sind Menschen bereit, für den Geist der Freiheit alles herzugeben – in seiner westlichen Hälfte verkaufen sie ihn für einige Silberlinge ... Dff.