Subventionen verstärken die Tendenz zur Überproduktion

Von Francesco Kneschaurek

Regierung und Kongreß der USA beobachten seit einiger Zeit mit wachsender Besorgnis die sich durch eine chronische Tendenz zur Überproduktion kennzeichnende Entwicklung der amerikanischen Landwirtschaft. Wird der Schutzwall, der vom Staat mühsam errichtet wurde, um ein Überfluten des Marktes mit landwirtschaftlichen Überschüssen zu vermeiden, dem wachsenden Druck der sich immer rascher häufenden Agrarreserven standhalten?

Die Situation ist kritisch und drängt nach einer raschen Klärung. Die Weizenvorräte haben sich seit 1947 mehr als verdreifacht und entsprechen zur Zeit der Ernte von nahezu zwei vollen Jahren! Die Baumwollager sind in der gleichen Zeitspanne – bei nur unbedeutend gestiegenem Verbrauch – auf mehr als das Doppelte gestiegen. Die Kornvorräte haben sich allein innerhalb der letzten zwei Jahre verdoppelt. Der Gesamtwert der aufgestockten Reserven ist seit dem Frühling des letzten Jahres um mehr als 2 Mrd. Dollar gestiegen und beläuft sich zur Zeit auf über 9 Mrd. Dollar. Mit einem Abbau ist kaum zu rechnen. Im Gegenteil: Das Landwirtschaftsdepartement rechnet auch dieses Jahr – selbst vorsichtig geschätzt – mit einem erneuten Produktionsüberschuß von etwa 1,5 Mrd. Dollar, so daß die landwirtschaftlichen Vorräte Ende 1959 den astronomischen Betrag von 10,5 Mrd. Dollar überschreiten dürften. Der Schutz der Landwirtschaft wird die Regierung im laufenden Jahr mit rund 7 Mrd. Dollar fast doppelt soviel „kosten“ wie die gesamte militärische und wirtschaftliche Auslandhilfe!

Es ist begreiflich, daß mancher Agrarpolitiker das beklemmende Gefühl hat, die amerikanische Landwirtschaft sei in eine Situation hineingeraten, die leicht zu einer Katastrophe führen könnte. Regierung und Kongreß versuchen denn auch krampfhaft, einen gangbaren Ausweg aus dieser Situation zu finden, die verfahren genug ist, um selbst die breite Öffentlichkeit zu alarmieren.

Eines steht jedenfalls fest: der amerikanische Agrar-Interventionismus hat kläglich Schiffbruch erlitten! Landwirtschaftssekretär Benson hat kürzlich mit einer gewissen Resignation bemerkt, die Regierung – gleichgültig ob demokratisch oder republikanisch – habe während der letzten 40 Jahre wohl alle überhaupt denkbaren und möglichen Maßnahmen im Agrarsektor ausprobiert: keine vermochte jedoch das Ziel zu erreichen, nämlich das Angebot einigermaßen mit der Nachfrage in Einklang zu bringen und das Problem der chronischen Überproduktion zu lösen. Tatsache ist, daß diese Interventionen selber dazu beigetragen haben, die gegenwärtige Situation heraufzubeschwören.

Das Agrarproblem läßt sich nun einmal nicht lösen, indem man die Landwirtschaft aus den Angeln der freien Marktwirtschaft heraushebt, das selbstregulierende Preissystem ausschaltet und dieses durch behördliche oder verbandspolitische Lenkungsmaßnahmen ersetzt. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte liefern den besten Beweis hierfür.