„Vollendung des Lebenswerkes von August Thyssen”

Auf der Hauptversammlung der August Thyssen-Hütte AG, Duisburg-Hamborn, tat es den freien Aktionären der Gesellschaft, die heute noch etwa knapp 50 v. H. des Grundkapitals besitzen, offensichtlich wohl, von dem Vorstandsvorsitzer der Gesellschaft, Dr. h.c. Hans-Günther Sohl, zu hören, daß vielleicht in Zukunft auch bei diesem Unternehmen einmal ein AR-Mitglied zugewählt werden könnte, das „das Vertrauen der Kleinaktionäre genießt“. Dieser Wunsch war in der Hauptversammlung angeregt worden, weil sich mit der geplanten Transaktion Phoenix-Rheinrohr/August Thyssen-Hütte auch die Hauptversammlungsmehrheit bei der ATH zugunsten des Großaktionärs verändern wird. Mit welchem Kapitalanteil die Erben Fritz Thyssens aus dem Aktientausch der Frau Amelie Thyssen, die ihr Phoenix-Paket von nominell 107 Mill. DM – d.s. 52 v. H. des Phoenix-Rheinrohr Kapitals – gegen junge Thyssenaktien hergeben will, letztlich hervorgehen, ist noch nicht genau festzulegen, weil, wie die Verwaltung auch in der HV wieder betonte, das Umtauschverhältnis noch nicht ermittelt ist. Gegenwärtig liegen etwa 12 v. H. des ATH-Kapitals bei der Witwe Fritz Thyssens und 40 v. H. bei ihrer Tochter Gräfin de Zichy-Thyssen. Die Anzahl der freien Aktionäre wird gegenwärtig auf 50 000 geschätzt. Vorstandsvorsitzer Sohl erklärte, daß alle bereits kursierenden Zahlenangaben über eine etwaige Umtauschrelation Spekulationen sind. Auch daß die ATH ihr noch genehmigtes Kapital von 60 Mill. DM für den Aktienumtausch nochmals um 80 Mill. DM aufstocken wird – wozu ihr die Hauptversammlung den fast einstimmigen Segen erteilt hat –, lasse keine Rückschlüsse auf den Umtauschkurs zu. Die ATH muß einen gewissen Spielraum haben, und dieser Betrag ist lediglich gewählt worden, so erklärte Dr. Sohl, weil „310 plus 60 plus 80 so eine schöne runde Summe ergeben“.

Zu der beabsichtigten Übernahme der Mehrheitsbeteiligung bei Phoenix-Rheinrohr nahm Vorstandsvorsitzer Sohl von der wirtschaftlichen und technischen Seite her ausführlich Stellung. In der beabsichtigten Maßnahme sieht die Verwaltung nichts anderes, als eine „Vollendung des Lebenswerkes von August Thyssen und seiner wirtschaftlichen Konzeption“. Bei der Beurteilung der Arrondierungen in der Thyssen-Gruppe müsse beachtet werden, daß es sich nicht um einen Zusammenschluß bisher fremder Unternehmen handle, sondern lediglich um einen internen Aktientausch innerhalb des Thyssenbereichs, der in besonders wirtschaftlicher Weise eine weitere Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Gruppe gewährleistet. Zu der organisatorischen Form der Gruppe wurde betont, daß die ATH nicht die Absicht hat, an dem Rechtsstatus der einzelnen Unternehmen etwas zu ändern. Allerdings wird man auch die Ausführungen beachten müssen, in denen der Vorstandsvorsitzer sagte: „Grundsätzlich stehen wir auf dem Standpunkt, daß es jedem Unternehmen freigestellt sein sollte, ohne steuerliche Vor- oder Nachteile seine gesellschaftsrechtliche Form so zu wählen, daß es seinen wirtschaftlichen Aufgaben möglichst erfolgreich gerecht werden kann.“

Hinsichtlich eines Organschafts-Vertrages mit der Phoenix-Rheinrohr AG sind weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat der August Thyssen-Hütte irgendwelche Überlegungen angestellt worden, hieß es auf die Frage eines Aktionärs. Diese Frage stand im Raum, denn auch von der heutigen Thyssen-Organtochter, der Deutsche Edelstahlwerke AG, hieß es noch vor einem Jahr, daß kein Organschaftsverhältnis angestrebt werde.

Nmn

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