Salisbury, im April –

Vor anderthalb Jahren, als ich das letzte Mal in der Zentralafrikanischen Föderation war, kam sie mir vor wie ein friedliches Eiland in der Mitte, Afrikas, an dem die Strömungen der Zeit spurlos vorbeiziehen. In der Föderation, die aus dem nördlichen und südlichen Rhodesien sowie Njassaland gebildet wurde, wohnen eine viertel Million Weiße neben sieben Millionen Afrikanern. Doch – wie sooft in Afrika – brachten es die Weißen fertig, in einer von den Schwarzen völlig abgeschlossenen Welt ihr eigenes, glückliches Leben zu leben.

Damals, im Jahre 1957, sah es ganz so aus, als vermöchte nichts diese kleine Welt zu erschüttern. Der Nationalismus des nördlich gelegenen Ghana und die Haßausbrüche in der südlich gelegenen Südafrikanischen Union schienen Welten von der friedlichen englischen Stadt Salisbury, der reichen Hauptstadt der Föderation, entfernt zu sein.

Eben zu diesem Zweck freilich war die Föderation vor sechs Jahren kraft Beschlusses, des englischen Parlaments gebildet worden: Den afrikanischen Nationalismus und den Rassenhaß sollte sie den drei Gebieten fernhalten. Der neue Staat sollte anders sein als das übrige Afrika, weder von den Weißen beherrscht wie Südafrika noch von den Schwarzen wie Ghana. So sollte die Föderation auf dem Grundsatz der Rassenpartnerschaft aufgebaut werden – ein Begriff, der extra für die Präambel der Verfassung ersonnen wurde.

Vom Ausgang dieses Experiments mußte für England sehr vieles abhängen. Hier bot sich den Briten eine letzte Chance, ihren direkten Einfluß in Afrika aufrechtzuerhalten. Und hier mußte sich erweisen, ob das tatsächlich möglich sei, was die weißen Politiker in Zentralafrika für möglich hielten: daß nämlich der Nationalismus der Afrikaner in die Kanäle wirtschaftlichen Ehrgeizes geschleust werden könne und daß dann die sieben Millionen Afrikaner unter einer fairen und gütigen weißen Regierung mit afrikanischen Mitarbeitern schon davon absehen würden, aus der schwarzen Mehrheit politische Münze zu schlagen.

Jetzt, als ich Mitte April wieder dort war. habe ich Salisbury kaum wiedererkannt. Es hat sich sehr gewandelt – äußerlich wie innerlich.

Einmal hat die Stadt ein neues Gesicht bekommen. Neben den alten Kolonialgebäuden sind moderne Wolkenkratzer in die Höhe geschossen. Die Bevölkerung ist sichtbar angewachsen und ist heute ausgesprochen kosmopolitisch: Deutsche, Italiener, Holländer und Griechen haben sich der britischen Mehrheit zugesellt. Auf den ersten Blick schon wird deutlich, daß das Föderationsexperiment in wirtschaftlicher Hinsicht gelungen ist. Salisbury wächst rascher als irgendeine andere Stadt Afrikas, und es lebt keineswegs nur vom Kupfer (dem Hauptexportartikel Rhodesiens). Neue Verarbeitungsindustrien sind hier wie im Weichbild aller Boom-Städte der Föderation entstanden und florieren prächtig.