Die Deutsche Bundeskank hat innerhalb weniger Tage die Abgabesätze für Geldmarktpapiere zweimal um 1/8 Prozent auf der ganzen Linie gesenkt. Sie hat sich damit der Lage am Geldmarkt angepaßt, der ja seit einiger Zeit außerordentlich flüssig ist. Tagesgeld geht zu 1 7/8 Prozent um. Auf der anderen Seite hat es die Notenbank bei dem hohen Deport belassen. Die Kosten für die Kurssicherung beim Geldexport nach New York betragen nach wie vor 3/8 Prozent. Hoher Deport und niedrige Abgabesätze für Geldmarktpapiere haben bei der gegebenen Liquiditätslage zur Folge, daß die Zinssätze auf dem deutschen Geldmarkt weit unter New York und London liegen. Der Deport verhindert, daß die Sätze sich angleichen.

Vielfach nimmt man in Bankenkreisen an, daß diese jüngsten kreditpoli tischen Maßnahmen der Bundesbank eine weitere Diskontsenkung ankündigen. Das aber braucht nicht der Fall zu sein. Kreditpolitisch ist der Diskont heute ein ziemlich stumpfes Instrument. Mit ihm kann das Geldvolumen kaum noch beeinflußt werden. Die Banken bringen ihre Wechsel so oder so nicht zur Notenbank, sondern behalten sie als Anlagewerte im eigenen Portefeuille. Der gesamte Wechselbestand der Bundesbank beträgt so auch nur etwa 500 Mill. DM. Die Bedeutung des Diskonts liegt heute fast ausschließlich in seiner Wirkung auf dem Kapitalmarkt und auf die allgemeine Konjunktur. Beide Bereiche bedürfen zur Zeit keines Anreizes durch eine erneute Zinssenkung.

Es spricht also einiges dafür, daß die Bundesbank vorerst nur mit den Offenmarktsätzen operiert. Sie greift damit ausschließlich in den Geschäftsbanken-Bereich ein. Die Geschäftsbanken sehen sich vor die Notwendigkeit gestellt, ihren Liquiditätsüberfluß mit geringem Nutzen entweder im Ausland unterzubringen oder bei. der Notenbank währungspolitisch stillzulegen. Das verschärft erneut das Problem einer bereits sehr klein gewordenen Zinsspanne; ob dadurch sekundär andere Entwicklungen ausgelöst werden, die letzten Endes die Notenbank vielleicht doch dazu zwingen, mit dem Diskont zu folgen, läßt sich schlecht voraussehen. W. R.