John Foster Dulles:

Kaum einer der 53 Außenminister, die es in Washington bis zum Amtsantritt Herters gegeben hat, bot den Kritikern solch breite Angriffsfläche wie John Foster Dulles. Nur wenige seiner Vorgänger hatten jedoch wie er die Möglichkeit und auch die Fähigkeit, ihrer Zeit die entscheidende Prägung zu geben. Neben seiner moralischen Überzeugungskraft und seiner großen Erfahrung war dies sicherlich auch seiner ungewöhnlichen Formulierungsgabe zuzuschreiben. Oft hat er das, was viele dumpf empfanden, als erster und gültig in Worte gefaßt. Viele seiner Aussprüche sind zu Meilensteinen der Weltpolitik in den fünfziger Jahren geworden.

„Wenn man sich meiner erinnert, wird man hauptsächlich an drei Dinge denken: ‚Am Abgrund des Krieges‘, schmerzhafte Überprüfung und ‚massive Vergeltung“: brink of war, agonizing reappraisal, massive retaliation.

„Wenn die europäische Verteidigungsgemeinschaft nicht wirksam werden sollte; wenn Frankreich und Deutschland uneins blieben und dadurch erneut zu potentiellen Gegnern würden, dann müßte man in der Tat Zweifel daran hegen, daß aus Kontinentaleuropa ein Ort der Sicherheit gemacht werden kann. Das würde uns zu einer schmerzhaften Überprüfung der Grundlagen der amerikanischen Außenpolitik zwingen.“ (1953)

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„Die lokale Verteidigung muß durch das zusätzliche Abschreckungsmittel einer massiven Vergeltungsmacht verstärkt werden. Jeder potentielle Angreifer muß wissen, daß er nicht immer diejenigen Kampfbedingungen vorschreiben kann, die ihm am besten passen.“ (1954)

„Um des Friedens willen muß man Risiken auf sich nehmen, wie man im Kriege Risiken auf sich nimmt... Die Fähigkeit, bis an den Rand zu gehen, ohne in den Krieg zu schlittern, ist eine notwendige Kunst. Meistert man sie nicht, to schlittert man unausweichlich in den Krieg hinein. Wenn man aber wegzulaufen versucht, wenn man Angst davor hat, bis dicht an den Abgrund zu gehen, ist man verloren.“ (1956)