Das augenfälligste Merkmal der jüngsten Bilanz der bundeseigenen Kieler Howaldtswerke AG (Grundkapital 25 Mill. DM) ist ein Schrumpfen der Bilanzsumme auf 426,36 (451,35) zum Abschluß per 31. 8. 1958. Das überrascht insofern, als im gleichen Jahr mit einem Rekord-Schiffsraum-Ausstoß von rund 300 000 tdw (167 000 tdw im Streikjahr zuvor) die Bautätigkeit wesentlich angekurbelt wurde. In diesem Rückgang drückt sich jedoch die allgemeine Werftkalamität aus: Das Schrumpfen der Auftragsbestände bei hoher Bautätigkeit und schwachem Eingang von Neubauaufträgen.

Diese Entwicklung führte zum Abbau der hohen Kundenanzahlungen bei Howaldt auf 285,30 (334,45) Mill. – als Verbindlichkeiten ausgewiesen – und damit zu einer Schrumpfung der Dankdeponierten flüssigen Mittel auf "nur" 32,93 (101,27) Mill. Die Liquidität bleibt jedoch trotzdem noch hervorragend, denn nahezu die gesamten Verbindlichkeiten bestehen aus Kundenzahlungen, mit denen (einschließlich Bankguthaben) auch sechs Siebentel des gesamten Umlaufvermögens (einschließlich erheblicher Kundenkreditierungen) finanziert werden können. Dieses Finanzpolster der Anzahlungen aus Zeiten des Schiffbau-Booms bescherte Howaldt auch erhebliche Zinserträge in Höhe von 3,91 (2,00) Mill., die die Roherträge verstärkten und allein schon zur Zahlung einer 10 (8) v. H. Dividende mehr als genügten. Mit der Rücklage von 11,04 (9,50) wurde ein Teil des in Gang befindlichen Werftausbaues finanziert.

Die Bau-Hochkonjunktur wird für diese größte bundesdeutsche Werft bei dem jetzigen Auftragsbestand noch bis Anfang 1962 anhalten – "wenn keine Neustornierungen von Aufträgen erfolgen", wie es der Geschäftsbericht vorsichtig ausdrückt (ohne über die bisher erfolgten Stornierungen Auskunft zu geben). Allerdings dürften die goldenen Zeiten der Super-Liquidität des Geschäftsjahres zuvor für das erste vorbei sein: Howaldt selbst rechnet mit einer mehrjährigen Dauer der jetzigen Werftkrise. W. St.