Die zweite IGAFA wartete mit einer fruchtbaren Neuerung auf, dem "Forum für Tourismus". Der Präsident der International Union of Official Travel-Organisations, Dr. Paul Bernecker, führte den Vorsitz und forderte in seinem Referat einen noch engeren Zusammenschluß der verschiedenen Länder im Sinne des modernen Welttourismus und weitere Bemühungen für Ausweitung der Ferienreisen zugunsten immer größerer Bevölkerungsschichten. – Jean Robert, Vorsitzender der Föderation Internationale des Agences de Voyage, beleuchtete das gleiche Problem unter dem Gesichtspunkt der Reisebüro-Organisationen, und Dr. Gustav Lotz (Nürnberg) schließlich sprach im Namen der Hotelerie. Für das Forum wurde eine Simultan-Dolmetscheranlage in Betrieb gesetzt.

München, Ende April

Die internationale Ausstellung für Gastronomie und Fremdenverkehr", kurz IGAFA genannt, die vom 25. April bis 7. Mai auf der Münchener Theresienhöhe stattfindet, übertrifft – wie ihre Veranstalter stolz vermerken – alle vorhergehenden Ausstellungen dieser Art. Auf dem 45 000 Quadratmeter großen Hallengebäude wird versucht, der allgemeinen Entwicklung des Fremdenverkehrs zu dienen – eine Entwicklung, die unter den Schlagworten "Mehr Komfort – größere Reisegeschwindigkeit – neue Ziele" steht.

Diese Feststellung ist von vornherein wichtig: Der Bedarf nach größerer Geschwindigkeit, wie er sich vor allem in der Zunahme touristischer Flugreisen zeigt, ist keineswegs identisch mit Hetze. Das Flugzeug wird deswegen immer beliebter, weil es den Urlaubsreisenden, der oft nur über zwei Ferienwochen verfügt, schneller ans Ziel und damit der Möglichkeit näherbringt, seine Ruhezeit sinnvoll auszunutzen. Im Pavillon des größten deutschen Gesellschaftsreise – Unternehmens, der TOUROPA, wird erklärt, daß die Kunden immer mehr nur einen Aufenthaltsort bevorzugen, statt von einer Sehenswürdigkeit zur anderen getrieben zu werden. Wenn trotzdem für diesen Sommer mit einer Kundenzunahme von acht bis zehn von Hundert gerechnet wird, so mag das vor allem an der verlockenden Bequemlichkeit der wohlfunktionierenden Organisation liegen. Übrigens: Bemerkenswert viele Autoenthusiasten kehren für ihren Urlaub zur Eisenbahn zurück.

Reiseindividualismus ist kostspielig, oder aber – Unbequem. Dennoch stirbt er nicht aus, sondern koppelt sich mit neuartigen Formen der "Rückkehr zur Natur". Das Camping nimmt zwischen der österreichischen und der italienischen Halle einen gewaltigen Platz ein. Die immer noch steigende Popularität dieser sportlichen Reiseform ist allein schon daran abzulesen, daß die ausstellende’ Lieferfirma schon seit Wochen ihren Aufträgen nicht nachkommen kann.

Erstmalig wird in Deutschland für eine neue Formaler Erholung geworben, wie sie der Club Mèditerrannée anstrebt. Der Klub, der seinen Sitz in Paris und eine Filiale für deutschsprechende Kundschaft in Zürich hat, will die Erholung von der Witterung möglichst unabhängig machen. Seine "Polynesischen Dörfer" stehen an weit südlichen Gestaden, auf Elba, Sizilien, Korsika und in Griechenland. Attraktion des Klubs ist eine Niederlassung auf Tahiti. Ein vierwöchiger Aufenthalt dort kostet, Reise inbegriffen – 7000 DM. Europa ist entsprechend billiger. Unter dem Motto "24 Stunden des Tages im Freien" schläft man in runden Bambushütten, die lediglich Schlafgelegenheiten, einige Haken zum Aufhängen der unbedingt notwendigen Kleider und zwei, drei kleine Stellagen enthalten. Es gibt Duschräume, einen Tanzplatz, Musik, Gelegenheit zum Wassersport, kleine moderne Odysseus-Fahrten und – ein zentrales Restaurant, das stets von einem französischen Koch geleitet wird –, "denn Sie wissen ja, ein Franzose geht nirgends hin, wo er nicht, gut zu essen bekommt", erklärt vertraulich die hübsche junge Pariserin, die im Ausstellungsklub als Führerin fungiert. 350 deutsche Mitglieder gibt es schon, englische fast das zehnfache und belgische nahezu 7000.

Zum ersten Male stellt auf einer solchen Ausstellung auch Indien aus – ein Zeichen dafür, wie zusammengeschrumpft die Erde ist, und gleichzeitig ein Zeichen der Anstrengungen, die das Riesenreich unternimmt, um Reisende und damit Geld ins Land zu bekommen. Der Ausstellung ist ein indisches Restaurant angeschlossen, in dem alle landeseigenen Spezialitäten serviert werden. – In Japans Restaurant kann man die japanischen Gerichte landesgetreu mit Stäbchen und auf Matten hockend oder aber halb-europäisch an niedrigen oder ganz europäisch an normalen Tischen verspeisen.

Wenn Europa auch touristisch längst entdeckt und eine Ferienreise nach Rhodos oder Mallorca heute nicht mehr ungewöhnlicher ist als um die Jahrhundertwende ein Urlaub im Berner Oberland, so gibt es dennoch auf dem alten Kontinent noch unbekannte Küsten, die bis vor kurzem mehr oder minder nur den Einheimischen bekannt waren. Nach Spanien, Griechenland und Jugoslawien tritt jetzt auch Portugal im internationalen Wettbewerb des Tourismus auf. Die Staatliche Portugiesische Fluggesellschaft übernimmt in Brüssel von der Sabena die Passagiere, die aus Düsseldorf angeflogen werden, und bringt sie nach Lissabon. Einige der nahen portugiesischen Seebäder beherbergen die Feriengäste in Vertrags-Hotels. Die Preise für einen vierzehntägigen Aufenthalt einschließlich Flugreise beginnen bei 699 Mark. Auch Portugal hat in der Ausstellung ein fröhlich-buntes Restaurant aufgebaut, wo man zu kalter Küche die besten Jahrgänge des Original-Porto trinken kann.