Der Australier D’Arcy Niland machte im vorigen Jahr zum erstenmal in Deutschland von sich reden durch seinen Roman "Shiralee" (besprochen von Martin Beheim-Schwarzbach in der ZEIT Nr. 20/1958). Und schon "Shiralee" war ein. großer Erfolg. Nilands zweiter nun auf deutsch vorliegender Roman übertrifft den Vorgänger darin noch: er gelangte unter die "fünf bestverkauften Bücher des Monats April", wie der oben abgebildete Seller-Teller zeigt.

Was vermag die Leute heute mehr zu verzaubern als der Traum vom einfachen Leben? Was vermag mehr Sympathie und Sehnsucht zu erwecken als die liebliche Gestalt eines schönen, aber unschuldigen Mädchens, das sich allein in der harten Welt der Männer durchschlagen muß?

Beides zusammen, das einfache Leben und die rührende Unschuld, genießt man in dem Roman von

D’Arcy Niland: "Ruf mich, wenn das Kreuz sich wendet"; Wolf gang Krüger Verlag, Hamburg; 324 S., 13,80 DM.

Die Geschichte spielt in Australien, und in ihr erscheint dieser Kontinent mit allen Vorzügen der poetischen Ferne als ein Land, in dem das noch möglich ist, wovon man in anderen Erdteilen nur wachträumen kann: dem modernen Leben ein Schnippchen zu schlagen, als einzelner für seine eigene Existenz freiwillig das ganze schreckliche, herrliche Risiko zu übernehmen.

Die Personen des Romans gehören also zu jeren Unzeitgemäßen, die nirgends gemeldet sind, die keine Steuersorgen, keine Rentenversicherung, keine Urlaubswünsche und keine Abzahlungsschulden haben; zu den happy few, die kein Besitz und auch nicht das Verlangen nach Besitz und Sicherheit bedrückt, die schwarz mit Güterzügen ins Blaue fahren, die in Zelten und in Hütten hausen, die heute Opale kratzen und morgen Schafe scheren, die nachts beobachten können, wie das Kreuz (des Südens) sich über ihnen wendet, die nirgends zu Hause sind und überall – überall, wo es ihnen gefällt: im Zirkus, in der Steinschlucht, in Jahrmarktbuden und Hausiererkarren.

In dieser Welt lebt das moderne Märchenwaisenkind Barbie, begabt mit allen Eigenschaften, die sie zu einem Idealbild machen: Starkherzigkeit und Leidenschaft, Reinheit und Treue zu sich selber, Weiblichkeit und Tüchtigkeit – ein ungeschliffener Diamant im Staub der Straße, eine Herausforderung für alle Männer, die Spröde zu zähmen, eine Herausforderung für alle Frauen, denen einst wie ihr viele Möglichkeiten zur Wahl standen.